Makelloses Trinkwasser im Land

Grundwasser ist wertvolles Schutzgut – Bauern sind sich ihrer Verantwortung bewusst

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(Foto: Bauernverband „Börde“ e.V.): Auf dem Steintritt des Amtshofes 
 in Hadmersleben genießt Urban Jülich einen Schluck Wasser

„In diesen heißen Sommertagen ein kühles Glas voll Wasser direkt aus dem Hahn ist ein Wohltat ohnegleichen“; dieser Ansicht von Urban Jülich, dem Vorsitzenden des Bauernverbandes „Börde“ e.V. schließen sich alle sicher gern an. Jülich weiter: „Auch die Grundwasserqualität ist gut und wird immer besser. Das ist das Ergebnis der guten fachlichen Praxis der regionalen Bauern und der strengen Vorgaben durch die aktuelle Düngeverordnung von 2017.“ Der Stickstoffbericht der Bundesregierung belegt, dass von 1990 bis 2014 der Stickstoffüberschuss um rund 44 Prozent zurückgegangen ist. „Mit der Verschärfung der Vorgaben wird sich dieser Trend weiter fortsetzen“, ist sich Landwirt Jülich sicher. Damit seien die Bauern Umsetzer der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.

Zum Thema „Belastung des Trinkwassers“ erreichte kürzlich die „Antwort des Landesregierung Sachsen-Anhalt auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung“ den Abgeordneten Bernhard Daldrup (CDU). In dem 82-seitigen Antwortschreiben vom 29. Juni 2018 vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie mit der Nummer KA 7/1761 steht unter anderem:  „Eine Wasseraufbereitung zur Entfernung von Nitrat und Pestiziden aus dem für Trinkwasserzwecke genutzten Rohwasser fand in den letzten fünf Jahren bei keinem der zentralen Wasserwerke statt.“

(Das ganze Dokument finden Sie auf der Internetseite des Bauernverbandes Börde e.V.)

„Versäumnisse aus früheren Tagen kann man nicht den heute hier wirtschaftenden Bauern anlasten. Den Verbraucher zu verunsichern ist unnötig, zumal das Trinkwasser in unserer Region von besonderer Güte ist. Es ist wichtiger, das Vertrauen in die heimische Landwirtschaft und deren streng überwachte Lebensmittelproduktion zu stärken. Regional angebaut oder gezüchtet und hier verarbeitet sollten die Grundvoraussetzungen zu guter Ernährung sein“ fasst Jülich die momentane Schieflage in den Diskussionen zusammen. Die Anforderungen in der deutschen Landwirtschaft sind hoch, das Ausbildungsniveau für den Landwirt in der Lehre und dem Studium ebenfalls. „Mit Erfahrung und Übung ergibt sich daraus unsere gute fachliche Praxis. Jeder Landwirt in Sachsen-Anhalt muss jährlich Bodenproben an zertifizierte Labore liefern.“ So könne anschließend zielgenau und jeweils nach aktuell gemessenen Werten Gülle mit Schläuchen oder Dünger mit Spritzen ausgebracht werden. „Die Düngeverordnung, die deutsche Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie, ist ein weiterer, sehr entscheidender Schritt zu noch effektiverer Düngung in der Landwirtschaft“, fügt Jülich hinzu.

Zur Information:

Seit 2009 gibt es das Düngegesetz. 2012 erließ Deutschland die Düngemittelverordnung. Seit dem 2. Juni 2017 ist die Düngeverordnung gültig. Sie präzisiert die Anforderungen an die gute fachliche Praxis der Düngung. Hier wird geregelt wie mit der Düngung verbundene Risiken, zum Beispiel Nährstoffverluste, zu verringern sind. Anschließend ist der Stickstoffdüngebedarf der Kulturpflanzen für Ackerland und Grünland als standortbezogene Obergrenze vor der Aufbringung zu ermitteln. Die Bedarfsermittlung hat das Gleichgewicht zwischen dem voraussichtlichen Nährstoffbedarf und der Nährstoffversorgung zum Ziel. Einbezogen werden das Ertragsniveau der Kulturen, die Stickstoffmengen, die im Boden verfügbar sind, die Stickstoffmengen, die während des Pflanzenwachstums zusätzlich pflanzenverfügbar werden, die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen Düngemitteln im Vorjahr und aus Vor- und Zwischenfrüchten. Die Düngeverordnung beinhaltet Aufbringungsbeschränkungen für stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel in Abhängigkeit von Standort und Bodenzustand, regelt Sperrzeiten für die Aufbringung von Düngemitteln und macht Vorgaben zur Lagerung organischer Düngemittel.

Informationen erhalten Sie auch unter folgenden Link:

https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp7/drs/d3119cak.pdf

Wir haben das nicht verbockt – Klimawandel bringt Wirtschaftszweig in Not

Krisensitzung des Vorstandes des Bauernverbandes „Börde“ e. V.

Drei Monate kein Regen auf den landwirtschaftlichen Kulturen in Sachsen-Anhalt bedeutet für viele Bauern bereits jetzt existentielle Bedrängnis. Der Vorstand des Bauernverbandes „Börde“ fand sich deshalb zu einer außerordentlichen Versammlung zusammen, um über die Lage zu beraten. Da es sich beim Vorstand, inklusive ihres Vorsitzenden Urban Jülich, um Landwirte aus dem gesamten Bördekreis handelt, beraten dort Fachleute auf der Basis ihrer täglichen Arbeit. Die ersten Ernteergebnisse zeugen von der anhaltenden Dürre und ihren ersten schlimmen Auswirkungen: Jörg Claus von der Meine und Claus GbR in Osterweddingen spricht von einer Halbierung der Erträge beim Raps und dem ersten geernteten Weizen. Silke Fischer von der Agrargenossenschaft eG Emden berichtet, dass die erste von drei Weidetierherden nun in den Stall muss, weil kein Futter mehr auf der Wiese steht. Sie spricht von 30 Prozent Verlusten. Proben von Raps und Weizen von einigen Flächen belegten zudem immer noch die Unreife der Körner. Dort muss man noch abwarten. Die Bestände und Erträge seien sehr durchwachsen bestätigt Heidrun Spengler-Knappe von der Spengler/Pätzold GbR in Peseckendorf. Der Mais ginge noch aber das Futtergras sei sehr problematisch. Jörg Stottmeister von der APGmbH Bösdorf/Lockstedt aus Bösdorf bei Oebisfelde geht von 40 Prozent Ernteverlusten aus. Andreas Bonstedt von der Klostergut AH GmbH &Co.KG in Haldensleben betont den sehr geringen Ertrag bei Brotroggen auf den sehr leichten Standorten nördlich von Haldensleben gegenüber allen Vorjahren, etwa 80 Prozent Ernteverlust bei Roggen und die schlechte Qualität durch einen sehr hohen Kleinkornanteil, sowie einen Ernteverlust von rund 40 bis  50 Prozent in bei Weizen, Raps und Wintergerste.

Urban Jülichs Schätzungen zur Kartoffelernte liegen bei 30 bis 50Prozent weniger. Die Pflanzen hätten aufgrund der Wärme weniger Knollen ausgebildet. Der späte Mais würde jetzt, wenn es regnen würde, noch Kolben ansetzen. Ansonsten stecke nicht viel Energie darin. Die Trockenheit soll noch länger anhalten. Nur stellenweise ist wenig Regen angesagt. Gerste, Raps, Weizen, Mais, Kartoffeln werden verarbeitet zu Lebensmitteln oder Energie für uns alle. Wurst, Fleisch und Käse erzeugen unsere regionalen Viehhalter. Das normale Unternehmerrisiko trägt hier der Bauer. Extremwetterlagen mit ihren Folgen wie diese, die sich aus dem weltweiten Klimawandel ergeben, kann ein Landwirt nicht allein schultern. Dem hat die EU längst Rechnung getragen. Es ist Bundes- und Ländersache, diese Mittel rechtzeitig anzufordern, fordern die Vorstandsmitglieder. Die bisher angekündigten Hilfen des Landes sind höchstens imstande einen Aufschub der Verbindlichkeiten zu bewirken. „Diese außergewöhnliche Situation hat nichts mit normaler Agrarwirtschaft zu tun. Treten Sie für die regionalen Bauern ein!“, mahnt Urban Jülich die Politiker auf Landesebene und macht im Namen des Vorstandes des Bauernverbandes „Börde“ e.V. folgende Vorschläge:  Wirklich helfen könnte in dieser Lage die frühere Auszahlung der Agrarfördermittel, so dass die Herbstpachtzahlungen davon beglichen werden könnten. Langfristig muss auf Landesebene ein Fond aus den vorhandenen EU-Mitteln für Klimawandel-Folgen aufgebaut werden, der im Notfall schnell und unbürokratisch an Betroffene verteilt werden könnte. Auch die Bildung einer steuerlichen Risikorücklage wäre besonders für die risikobehaftete Landwirtschaft sehr hilfreich. Zudem  sollten vertrocknete Blühstreifen von den Prüfern jetzt nicht geahndet werden. Ernteversicherungen halten die Vorstandsmitglieder nicht für empfehlenswert. „Wenn ortsansässige, verantwortlich handelnde Landwirte aufgeben müssen, weil die Politik keine wirklichen Hilfsangebote macht, springen Glückspieler auf, denen egal ist, wie sie den Acker hinterlassen“, so Jülich zusammenfassend.

Bauernverband „Börde“ e.V. bittet um Vorsicht in der Feldflur

Waldbrandstufe 5 im ganzen Land Sachsen-Anhalt außer Stadt Halle und Saalekreis

Bauernverband „Börde“ e.V. bittet um Vorsicht in der Feldflur

Die Waldbrandgefahr gilt auch und besonders für die Feldflur, da das Getreide und der Raps zumeist noch auf dem Halm steht. Nur die Wintergerste ist fast abgeerntet; die Mähdrescher sind schon bei der Rapsernte. Weizen, Roggen, Dinkel, Ackerbohnen und Erbsen sind zum Teil reif und mancherorts noch grün, aber alles ist notreif und dürr. Da die Bestände auf einem Acker oft sehr unterschiedlich reif sind, versuchen die Bauern, die Ernte hinauszuzögern, um die Flächen im Ganzen mähen zu können. Hecken und Feldraine sind ebenfalls ausgetrocknet. Ein Funke genügt, um Flächen in Brand zu setzen. Die Arbeit auf dem Acker wird so behutsam wie möglich erledigt aber es gab trotzdem schon einige Brände, die zum Glück schnell gelöscht werden konnten. In diesem Zusammenhang bedankt sich Urban Jülich im Namen aller Landwirte für die Arbeit der Einsatzkräfte. Viele Landwirte stellen schon Wasserwagen bereit und Scheibeneggen zum Anlegen von Brandschneisen.

Urban Jülich, Vorsitzender des Bauernverbandes „Börde“ e.V., bittet im Namen aller Bauern die Spaziergänger und Radfahrer dringend um Rücksichtnahme bei den Erntearbeiten, besondere Aufmerksamkeit und Einhaltung des Rauchverbotes. Im Gesetz zur Erhaltung und Bewirtschaftung des Waldes, zur Förderung der Forstwirtschaft sowie zum Betreten und Nutzen der freien Landschaft im Land Sachsen-Anhalt, dem Landeswaldgesetz, steht unter anderem „Waldbesucher sind aufgefordert, durch ein umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten das Waldbrandrisiko zu minimieren. Folgende rechtlich verbindliche Regeln sind bei einem Besuch im Wald zu berücksichtigen: Es ist verboten, in der freien Landschaft einschließlich angrenzender Straßen brennende oder glimmende Gegenstände wegzuwerfen, durch Rauchen leicht entzündbare Bestände und Einrichtungen der Land- und Forstwirtschaft wie Strohdiemen, reife Erntebestände oder trockene Hecken zu gefährden, bei Waldbrandgefahrenstufen 2 bis 5 außerhalb von geschlossenen Räumen im Wald oder in einem Abstand von weniger als 15 Metern zum Wald zu rauchen, im Wald oder bei Waldbrandgefahrenstufen 2 bis 5 in einem Abstand von weniger als 30 Metern zum Wald ein offenes Feuer außerhalb von öffentlichen Grillplätzen anzuzünden oder bei Waldbrandgefahrenstufe 5 den Wald außerhalb von Wegen zu betreten.“ Freie Landschaft ist in dem Gesetz definiert „als Flächen des Waldes und des Feldes“. Vorgaben und Verbote für den Wald gelten auch für die Feldflur.

Stoppelfelder und lange noch kein Herbst Bauernverband „Börde“ e.V. fordert schnelle Dürre-Hilfen

Die Ernte hat wegen des Regenmangels einen Monat früher begonnen. Einbußen zwischen 20 und 50 Prozent bis hin zu Totalverlusten in einigen Regionen sowie schlechte Qualitäten sind die bittere Realität und Prognose für die diesjährige Ernte von Getreide, Raps und Mais. Für Urban Jülich, Vorsitzender des Bauernverbandes „Börde“ e.V. ist die diesjährige Wetterlage in Sachsen-Anhalt mit der langanhaltenden Trockenzeit und der daraus resultierenden schlechten Ernte von den Landwirten allein nicht zu tragen. Das normale Risiko, die Abhängigkeit des Bauern vom Wetter und die Unwägbarkeiten in Hinblick auf die Erträge seien längst überschritten und allein durch den Klimawandel bedingt. Jülich: „Seit April fiel nur noch vereinzelt Regen auf die angehenden Lebensmittel. Für diesen Fall oder bei Hochwasser und ähnlichen Extremen stünde der Klimafolgefond der EU zur Verfügung. Das Land sollte sich nun endlich um die Ansparung dieser Mittel bemühen, fordert der Bauernverband Börde e.V. zum wiederholten Mal. Die als Grundlage für weitere Maßnahmen von der sachsen-anhaltinischen Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert verlangte Schadensabschätzung ist aber im Moment nicht möglich. Genaue Zahlen ergäben sich erst nach der Ernte, nach der Abrechnung von Menge und Preis. Jülich: „Wenn das Ministerium auf diese Zahlen warten will, haben kleinere Betriebe keine Chance mehr. Sie benötigen jetzt Liquiditätshilfen, um zum Beispiel den Kauf von Saatgut abzusichern.“ Der Bauernverband „Börde“ e. V. erwartet die genauen Ernteergebnisse aus den Betrieben in diesem Jahr Ende August.

Die Agrarausgleichszahlungen in diesem Jahr vorzuziehen oder angemessen zu staffeln, wären eine hilfreiche Maßnahmen, schlägt der Verband vor. So könnten Liquiditätsengpässe (zum Beispiel durch die Herbst-Pachtzahlungen) in den Landwirtschaftsbetrieben überbrückt werden. Eine weitere Forderung, auf die die Bauernverbände seit Jahren pochen, sind steuerliche Risikorücklagen, die in ertragsstarken Jahren gebildet werden und geminderte Erlöse in Krisenzeiten ausgleichen könnten. Damit würde man die besonderen Risiken der Landwirtschaft und die schwankende Ertrags- und Marktlage glätten können. Das sachsen-anhaltinische Landwirtschaftsministerium kündigt als Dürrehilfe die Stundung von Pachtzahlungen von der BVVG und der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH an. Nachfragen ergaben, dass bei beiden Institutionen Stundungen auf Antrag möglich sind, für den Zahlungsafschub aber Zinsen erhoben werden.

Eberhard Schoster, Prokurist bei der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, erläutert die Verfahrensweise. Die Stundung der Pachten erfolge nach der Landeshaushaltsordnung. Die Stundungsregelung sehe als erste Stufe die Stundung mit Verzinsung vor, die zweite Stufe sei die Stundung ohne Verzinsung und die dritte Stufe den Pachterlass. Die Landgesellschaft wäre, so Schuster an die Landesvorgabe, zur Zeit mit Stufe eins, gebunden. Der Pächter stellt den Antrag, der mit dem ALF geprüft werde und gemeinsam träfe man dann eine Stundungsvereinbarung.

In der Pressemitteilung der BVVG vom 22. Juni 2018 heißt es: „Auf einen begründeten Antrag des Pächters hin wird die BVVG die am 30. Juni 2018 oder 15. August 2018 fälligen Pachtraten bis zum 31. Dezember 2018 stunden. Voraussetzung dafür ist, dass der betroffene Landwirt rechtzeitig vor dem Fälligkeitstermin zunächst einen formlosen Stundungsantrag bei der für ihn zuständigen BVVG-Niederlassung stellt. Bei der Prüfung und Entscheidung über den Antrag wird die BVVG wie in früheren Fällen eng mit den zuständigen Landesdienststellen zusammenarbeiten.“ Weiter heißt es hier: „Im Regelfall sind die Stundungsbeträge zu verzinsen, im Ausnahmefall kann bei besonderen Härtefällen eine zinslose Stundung erfolgen.“ Bis zum Stichtag 30. Juni seien nur ganz wenige Anträge eingegangen, so Hans-Egbert von Arnim, Leiter der BVVG Landesniederlassung Sachsen-Anhalt. Die Futtersituation im Land verschlechtert sich für die Tierhalter von Woche zu Woche. Die von der Landesregierung angebotene Möglichkeit, ab dem 1. Juli den Aufwuchs von ökologischen Vorrangflächen im Ausnahmefall und nach Antrag zu genehmigen, kam viel zu spät. Die meisten Wiesen sind jetzt trocken und braun, der Aufwuchs als Futter unbrauchbar.

Der Bauernverband Börde e.V. vermittelt ab sofort noch vorhandene Silage und andere Futterreserven aus Betrieben, die die Viehhaltung aufgegeben oder eingeschränkt haben, an von der Dürre betroffene Viehhalter. Betroffene Bauern sollten sich in Wanzleben melden.

 

 

 

 

Zwei Monate ohne Regen – Gerstenernte hat drei Wochen zu früh begonnen

20. Juni 2018: Diese Gerste in der Börde bei Groß Germersleben ist sehr unterschiedlich; man sieht die trockenen Kuppen. Zur gleichen Zeit wird zwei Dörfer weiter notreife Gerste bereits gedroschen.

Die Rübensaat bekam im April noch einmal ordentlich Regen zum Aufgehen und dann gab es nur vereinzelt Gewitterschauer oder gebietsweise Regen, die den landwirtschaftlichen Kulturen das nötige Wasser lieferten. Die ungewöhnlich frühe, lange und starke Hitze verschärft das Problem. Schäden durch Abschwemmungen aufgrund extremer Starkniederschläge verschärften die Lage mancherorts. Wetteränderungen sind nicht in Sicht. Für die Region des Bauernverbandes „Börde“ e. V., bedeutet das kurz gesagt Notreife wegen Dürre: Wenige und kleinerer Körneransatz bis zu tauben Ähren bei den diesjährigen Wintergetreidearten, der Raps ist spärlich gewachsen, der Mais leidet enorm und die Rüben haben teilweise noch nicht die Reihen geschlossen. Trockene Kuppen auf den Äckern kann man von weitem erkennen, denn notreifes Getreide ist gelb und der Rest noch grün. Tierhaltern sehen ein verzögertes Problem auf sich zukommen: Wiesen und  Futterkulturen vertrocknen; der zweite und dritte Futterschnitt im Jahr könnte komplett ausfallen. Das wären dann schon die Vorräte für den Winter und wird in einigen Betrieben den Abbau von Tierbeständen zur Folge haben.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes „Börde“ e.V., Urban Jülich umreißt die Schwierigkeiten: „Diese Unterschiede bereits auf einer Fläche werden zu schlechten Erntequalitäten führen. Schlimmer wird es jedoch für diejenigen Landwirte, die mit erheblichen Ertragsminderungen bis zu Totalausfällen auf ihren Äckern rechnen müssen, weil sandigere Böden das wenige Wasser viel schlechter halten konnten. Das überstiege das normale, gewohnte Wagnis in der Landwirtschaft. Existenzen wären bedroht.“

Der Bauernverband „Börde“ e. V. fordert die Politik auf, die von Regenknappheit und ungewöhnlicher Hitze betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe nicht allein zu lassen.

Die regionalen Unterschiede machen zur Zeit noch Schätzungen zu Ertragseinbußen sehr schwierig bis unmöglich. Das wäre aber grundlegend, denn die betroffenen Länder und ihre Landwirtschaftsministerien prüfen zur Zeit, ob die Voraussetzungen für eine nationales Dürrehilfe gegeben sind und man gemeinsam an den Bund herantreten wird. EU-Zustimmungen müssten für solch ein Notstandsprogramm auch noch eingeholt werden. „Allerdings“, so Jülich, „würde nach der nun einsetzenden Ernte bald mit der Bodenbearbeitung und Aussaat für 2019 begonnen. Kosten fallen an. Die Bauern benötigen schnelle Hilfe.“

Er bemängelt ganz allgemein, dass die sachsen-anhaltinische Politik sich überhaupt nicht um die Folgen der Klimaveränderungen kümmert. Dabei seien Hochwasser, Unwetter oder eben anhaltende Trockenheit keine Einzelereignisse mehr. Jülich: „Die EU stellt Gelder bereit, die man in Fonds ansparen und im Notfall schnell verteilen könnte. Das wäre effektiv.“

Sehr unterschiedlich, je nach Standort und Regenmenge, ist der diesjährige Mais aufgewachsen.

 

 

 

20 Jahre Landsenioren – soziales Wirken auf dem Lande

Kulturprogramm: "Erna"

Am 14. Juni 2018 feierte der Landseniorenverband Sachsen-Anhalt e.V. sein 20-jähriges Bestehen. Im festlichen Rahmen nahmen über 150 Delegierte aus den 19 Landseniorenvereinigungen an der Jubiläumsveranstaltung im Ebendorfer Hotel „Bördehof“  teil. In seiner Festrede erinnerte Dr. Horst Schnellhardt, Präsident des Landseniorenverbandes, an den schwierigen Start. Die Gründungszeit ist eng verbunden mit den Namen Dr. Kurt Nöll. Schnellhardt: „ Ich möchte sagen, ohne Herrn Nöll gäbe es in den neuen Bundesländern keine Landsenioren.“Dr. Nöll hatte 1986 die erste Landseniorenvereinigung in der Bundesrepublik im Bundesland Hessen gegründet. Nach der Beendigung seiner beruflichen Laufbahn setzte er sich besonders dafür ein, den Landwirten im Ruhestand das Leben annehmbar zu gestalten. In den neuen Bundesländern waren sehr viele Landwirte nach der Wende durch die stark veränderte Struktur der Landwirtschaft in den Ruhestand eingetreten. Es bestand also Handlungsbedarf: Die erste Vereinigung wurde 1996 in Sangerhausen gegründet, gefolgt von der Vereinigung „Mittlere Elbe“. Durch die hohe Zahl von Gründungen im Jahre 1997 war es notwendig einen Verband zu gründen, der als Dachorganisation funktioniert, die Verbindung zum Bundesverband pflegt und dem heute 19 Vereinigungen angehören. Bemerkenswert war, dass zum 20-jährigen Jubiläum vier Gründungsvorsitzende kamen. So Rudi Stöckel , Gründungsvorsitzender Sangerhausen, Herr Arthur Ulm aus Bitterfeld, Dieter Mundt aus Halberstadt und Christian Böttcher aus Havelberg. Die letzten drei sind heute noch Vorsitzende. Das ist sicher auch ein Ausdruck kontinuierlicher und vertrauensvoller Arbeit. „Es ist in den 20 Jahren trotz Höhen und Tiefen gelungen, einen Verband zu entwickeln, der Hervorragendes zur Gestaltung eines gesellschaftlichen Lebens in unseren Dörfern leistet“, so Schnellhardt. Seit Jahren verbringen nicht nur Landwirte sondern auch Bewohner der Dörfer aus anderen Berufen die Zeit des Ruhestandes in den etwa 250 Veranstaltungen der Landsenioren pro Jahr. Wenn in einem Jahr über 11000 Personen an Veranstaltungen teilnehmen, wird bestätigt, dass die Angebote beliebt sind und Bedarf besteht. Damit gehören die Landsenioren zu den größten, in den Dörfern sozial wirkenden Organisationen. Bildungsveranstaltungen, Fachexkursionen, kulturelle und touristische Projekte aber auch Unterstützung bei persönlichen Fragen und Besuche im Krankheitsfall prägen die ehrenamtliche Arbeit der Landsenioren.

Präsident des Landseniorenverbandes Dr. Horst Schnellhardt

Schnellhardt: „Es ärgert uns schon, wenn im Koalitionsvertrag der Landesregierung viele im ländlichen Raum tätige Vereine aufgezählt werden aber die Landsenioren fehlen. Wenn auf dem Seniorentag 2018 festgestellt wird, dass Geselligkeit, Bildung usw. im Ruhestand immer noch die beste Medizin sind (übrigens hat dieses schon Goethe erkannt) würden wir uns über etwas mehr Anerkennung und auch Unterstützung freuen.“ Im Leitspruch der Landsenioren heißt es, einander helfen –  Freude erleben. Freude wurde auch viel verbreitet auf dem 20-jährigen Jubiläum durch humoristische Darbietungen, musikalische Unterhaltung und ein schmackhaftes Büfett.

Wer möchte ist bei den Landsenioren gern gesehen, so Schnellhardt abschließend.

 

 

Zentrale Auftaktveranstaltung – Tag des offenen Hofes in Hamersleben

Juniorchef Sascha Blaik, Seniorchef Harald Behrens (von links) und Landesbauernverbandspräsident Olaf Feuerborn (rechts) im Begrüßungsinterview mit dem MDR.Moderator

Wenn tausende Menschen freiwillig in einen Kuhstall gehen ist wieder „Tag des offenen Hofes“. Am Sonnabend war es soweit: Die Agrargenossenschaft eG Hamersleben und der Bauernverband luden zur zentralen Veranstaltung des Berufstandes ein. Und das mit riesigem Erfolg. Sascha Blaik, der zukünftige Chef der Agrargenossenschaft, schätzt die Zahl der Besucher auf  5 000. „So groß war unser Hoftag noch nie, sagte der 30-jährige studierte Landwirt stolz und dankte allen Kollegen, Vorbereitern und Mitmachern für ihren Einsatz. Angehörige des Betriebes, Vereine, Institutionen und der Landwirtschaft verbundene Privatleute sowie ortsansässige Handwerksfirmen präsentierten den Besuchern des Hoffestes ihre Arbeit und ihre Produkte. Ziel ist es, die Menschen wieder näher an ihre Nahrungsmittel und deren Hersteller zu bringen.

 

Nicht nur ausgeschriebene Parkflächen, auch Straßenränder und jeder andere befahrbare Fleck der Bördegemeinde war mit Autos vollgestellt. Alle wollten das Fest besuchen, hatten doch die Veranstalter ordentlich aufgefahren: Es gab geführte Stall- und Betriebsbesichtigungen, die MDR Sachsen-Anhalt- Party mit Stars wie Petra Zieger, und Marcus, Landtechnikpräsentationen, Fachgespräche auf der Bühne, Kinderunterhaltung, Feuerwehrvorführungen, Stände mit Erbsensuppe, Schmorwurst, Honig, Eierlikör, Kuchen und vielen anderen Köstlichkeiten aus der Börde. Umlagert waren vor allen Dingen die Getränkeanbieter, denn die Sonne meinte es sehr gut an diesem Tag. Deshalb wurden wohl auch Sonnenhüte gern gekauft und die wenigen Schattenplätze zogen die Flanierer in Abständen magisch an. Ansonsten wurde geguckt wie Kühe leben, probiert wie man aus Hafer Flocken macht, erklärt wie früher gemolken wurde, geschaut wie heute Mähdrescher funktionieren, gefragt wie man Landwirt werden kann, gesungen was Marcus vorgab, gelauscht was Fachleute auf der Bühne von sich gaben und genascht was angeboten wurde.

Im Mittelpunkt stand natürlich das Leben und Arbeiten auf dem Hof der Agrargenossenschaft eG Hamersleben. Alle zwei Jahre veranstaltet das Landwirtschaftsunternehmen so einen Hoftag. Harald Behrens, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft stand zur Begrüßung mit seinem Juniorchef Sascha Blaik und Olaf Feuerborn, Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt, auf der MDR-Partybühne. Gemeinsam hatten sie das große Fest gut vorbereitet und konnten nun relativ entspannt die Besucher begrüßen und ihnen viel Spaß und gute Unterhaltung wünschen. Behrens dankte seinen Mitarbeitern und begrüßte die Unterstützer aus dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes, Vertreter der EDEKA und der Agrarmarketinggesellschaft, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, Landrat Hans Walker und den MDR. Feuerborn sprach anerkennend über das gastgebende Landwirtschaftsunternehmen sowie unter anderem über das aktuelle Wetter, die anhaltende Trockenheit, die besonders in der Altmark und im Jerichower Land  zu erheblichen Ernteeinbußen führen wird. Bis heute geschätzte 25 Prozent Verluste werden die Bauern in diesem Jahr aufgrund des Regenmangels wohl ertragen müssen.

Blaik, der im Betrieb gelernt hat und ab 1. Januar 2019 den Vorstandvorsitz im Unternehmen innehat, verschob in seinem Begrüßungsspruch trotz allem den Regen auf nach dem Fest. Aber dann solle, so seine Bitte, tagelanger Landregen fallen. Zustimmendes Gemurmel ging dabei durch die Reihen der schwitzenden und trockenheitsgeschädigten Landwirte und Gartenbesitzer.

Der Kuh Else, einer von 630 des Betriebes, war das Gewimmel der Menschen, die mit blauen Schuhüberziehern über die Desinfektionsmatte in Ihren Stall kamen, total egal. Nachdem sie durch das hypermoderne Melkkarussell gegangen war und sich von Bürsten am Rücken hatte massieren lassen, schaute sie nun gelangweilt auf das Treiben – Muh.

Seniorchef Harald Behrens, Urban Jülich, MDR Moderator, Landrat Hans Walker

Milchfrühstück direkt am Kuhstall

auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Hamersleben mit der MIlchkönigen Nancy

Nicht schlecht staunten am 1. Juni in der Agrargenossenschaft Hamersleben rund 350 Kühe aber auch die rund 100 Grundschulkinder der Goetheschule Oschersleben was da am Kindertag, der auch gleichzeitig der Tag der Milch ist, auf die Beine gestellt wurde. Die Agrarmarketinggesellschaft des Landes hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen, um neben Informationen zur Landwirtschaft auch mal ein großes Milchfrühstück für die Kinder zu organisieren.

Mit zwei Bussen wurden die Kinder nichtsahnend nach Hamersleben gefahren wo bereits alles auch vorbereitet war. Wolfgang Köhler, die Milchkönigin Nancy Hunka aus Naumburg und Wolfgang Zahn von der AMG nahmen die Kinder erst mal begrüßend direkt vor dem neuen Kuhstall im Empfang. Und dann wurde erst mal bei einem Milchfrühstück und Butterbroten kräftig zugelangt. Frische Milch, frische Luft und das direkt dort, wo die Milch eigentlich produziert wird war schon ein besonderes Ereignis für die Kinder.

Und natürlich dürfte sich auch alles ganz genau angeschaut werden. In der modernen Anlage werden die Kühe mit einem Roboter gemolken. Und wie das funktioniert, da gab es schon ein großes Staunen bei vielen. Bei anschließendem Spiel, Spaß und Unterhaltung stand natürlich das Thema Milch groß im Vordergrund.  So gab es viel Wissenswertes zu erfahren, wieviel Liter Wasser so eine Kuh täglich braucht, wieviel Milch sie gibt und was eine Kuh so den ganzen langen Tag alles frisst.

Und nach rund zwei Stunden waren sich alle Kinder einig, als sie die Rückreise antraten mal etwas ganz besonderes erlebt zu haben.

29 Jahre im Dienst der Landwirtschaft – Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Bauernverbandes „Börde“ e.V. geht in den verdienten Ruhestand

Ruhestand Koehler 3

Wolfgang Köhler mit Ehefrau Elke

Auf einem Empfang in der Burg Oschersleben wurde am vergangenen Freitag  Wolfgang Köhler für seine Arbeit für die Bördebauern geehrt und in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Viele Wegbegleiter aus Politik und Landwirtschaft dankten ihm für seine langjährige Tätigkeit: Landrat Hans Walker  lobte in seiner kleinen Ansprache zudem Köhlers Art, unermüdlich auf  bäuerliche Themen hinzuweisen.

„Die Landsenioren freuen sich auf ein neues Mitglied“, so formulierte es Helga Ungar in ihrer kleinen Rede an den neuen Ruheständler.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes „Börde“ e. V., Urban Jülich, der durch das kleine Festprogramm führte, skizzierte kurz den Lebenslauf  Köhlers, würdigte seinen Arbeitseifer besonders in seinen Fachgebiet Schaf-, Ziegen -und Milchviehhaltung und sprach auch Köhlers Ehefrau Elke seinen Dank aus.  Eine einmalige Sonderausgabe der Bauernzeitung im Bilderrahmen wird sein heimisches Büro nun schmücken und eine von allen Gästen und Freunden gesponserte Reise den Abschluss seiner beruflichen Laufbahn krönen.

Ruhestand Koehler 2

Vorsitzender Urban Jülich und Wolfgang Köhler

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Olaf Feuerborn, hatte nachgezählt: vier Landesbauernverbandspräsidenten und ebenso viele Geschäftsführer hat Wolfgang Köhler während seiner Tätigkeit für den größten landwirtschaftlichen Regionalverband im Land Sachsen-Anhalt erlebt, und „er ist immer noch da“. Feuerborn lobte Köhler für seine immer klaren Worte und seine Hartnäckigkeit und Energie.

Ruhestand Koehler 1

Präsident des Landesbauernverbandes Olaf Feuerborn und Wolfgang Köhler

Karl-Heinz Eggert vom Verband der Schaf- und Ziegenzüchter Sachsen-Anhalt dankte Köhler mit folgenden Worten: „Seitdem du die Geschäfte im Bördebauernverband leitest, ist es mit uns Schäfern immer gut voran gegangen.“ Er wünsche sich, so Eggert, dass der Nachfolger Köhlers seinen Einsatz für die Weidetierhalter genau so intensiv fortsetze.

Diesen Nachfolger sucht man aber derzeit noch.