Zwei Monate ohne Regen – Gerstenernte hat drei Wochen zu früh begonnen

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20. Juni 2018: Diese Gerste in der Börde bei Groß Germersleben ist sehr unterschiedlich; man sieht die trockenen Kuppen. Zur gleichen Zeit wird zwei Dörfer weiter notreife Gerste bereits gedroschen.

Die Rübensaat bekam im April noch einmal ordentlich Regen zum Aufgehen und dann gab es nur vereinzelt Gewitterschauer oder gebietsweise Regen, die den landwirtschaftlichen Kulturen das nötige Wasser lieferten. Die ungewöhnlich frühe, lange und starke Hitze verschärft das Problem. Schäden durch Abschwemmungen aufgrund extremer Starkniederschläge verschärften die Lage mancherorts. Wetteränderungen sind nicht in Sicht. Für die Region des Bauernverbandes „Börde“ e. V., bedeutet das kurz gesagt Notreife wegen Dürre: Wenige und kleinerer Körneransatz bis zu tauben Ähren bei den diesjährigen Wintergetreidearten, der Raps ist spärlich gewachsen, der Mais leidet enorm und die Rüben haben teilweise noch nicht die Reihen geschlossen. Trockene Kuppen auf den Äckern kann man von weitem erkennen, denn notreifes Getreide ist gelb und der Rest noch grün. Tierhaltern sehen ein verzögertes Problem auf sich zukommen: Wiesen und  Futterkulturen vertrocknen; der zweite und dritte Futterschnitt im Jahr könnte komplett ausfallen. Das wären dann schon die Vorräte für den Winter und wird in einigen Betrieben den Abbau von Tierbeständen zur Folge haben.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes „Börde“ e.V., Urban Jülich umreißt die Schwierigkeiten: „Diese Unterschiede bereits auf einer Fläche werden zu schlechten Erntequalitäten führen. Schlimmer wird es jedoch für diejenigen Landwirte, die mit erheblichen Ertragsminderungen bis zu Totalausfällen auf ihren Äckern rechnen müssen, weil sandigere Böden das wenige Wasser viel schlechter halten konnten. Das überstiege das normale, gewohnte Wagnis in der Landwirtschaft. Existenzen wären bedroht.“

Der Bauernverband „Börde“ e. V. fordert die Politik auf, die von Regenknappheit und ungewöhnlicher Hitze betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe nicht allein zu lassen.

Die regionalen Unterschiede machen zur Zeit noch Schätzungen zu Ertragseinbußen sehr schwierig bis unmöglich. Das wäre aber grundlegend, denn die betroffenen Länder und ihre Landwirtschaftsministerien prüfen zur Zeit, ob die Voraussetzungen für eine nationales Dürrehilfe gegeben sind und man gemeinsam an den Bund herantreten wird. EU-Zustimmungen müssten für solch ein Notstandsprogramm auch noch eingeholt werden. „Allerdings“, so Jülich, „würde nach der nun einsetzenden Ernte bald mit der Bodenbearbeitung und Aussaat für 2019 begonnen. Kosten fallen an. Die Bauern benötigen schnelle Hilfe.“

Er bemängelt ganz allgemein, dass die sachsen-anhaltinische Politik sich überhaupt nicht um die Folgen der Klimaveränderungen kümmert. Dabei seien Hochwasser, Unwetter oder eben anhaltende Trockenheit keine Einzelereignisse mehr. Jülich: „Die EU stellt Gelder bereit, die man in Fonds ansparen und im Notfall schnell verteilen könnte. Das wäre effektiv.“

Sehr unterschiedlich, je nach Standort und Regenmenge, ist der diesjährige Mais aufgewachsen.