Wald-Dürre und wenig Unterstützung für kleine Privatwaldbesitzer

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Unser Wald ist eine Kulturlandschaft, die von Försterhand über viele Jahrhunderte gestaltet wurde. Ein großer Teil unseres Landes ist mit Wald bedeckt. Er reinigt die Luft, produziert lebenswichtigen Sauerstoff, sorgt für unser Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig bietet er im dicht besiedelten Land Raum für Erholung und Naturerleben. Außerdem leistet der Wald mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz einen wesentlichen Beitrag zu Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Die nachhaltige Forstwirtschaft kümmert sich um alle diese Aufgaben.
Waldbrandwarnstufe 1 bis 2 im Oktober 2018 im Land Sachsen-Anhalt; aber im langen Sommer 2018  galt wegen des Regenmangels und der hohen Temperaturen viele Wochen die höchste Waldbrandwarnstufe 5. Das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt mit seinen zehn Betreuungsforstämtern ist als untere Forstbehörde für den vorbeugenden Waldbrandschutz in Sachsen-Anhalt zuständig. Die zu den Betreuungsforstämtern gehörenden Revierförster bangten mit den Waldbesitzern um die Waldbestände. Aber es gab zum Glück keine größeren Brände.
Simone Bruckert, Revierleiterin im Forstrevier Cröchern, eine von fünf Frauen der insgesamt neun Revierleiter des Betreuungsforstamtes Letzlingen, ist für die Privatwaldbesitzer um Cröchern erste Ansprechpartnerin in Waldangelegenheiten auf 4300 Hektar Privatwald. Revierleiteraufgaben sind unter anderem die Waldbesitzerberatung, Betreuung von Privatwald wie Holzeinschlag und Aufforstungen, Waldschutz und die Waldpädagogik. In dem großen Waldgebiet der Colbitz-Letzlinger Heide gibt es viele Waldbesitzer mit nur einem Hektar Eigentum. Da es keine Flächenzusammenlegungen wie in der Landwirtschaft gibt, ist die Bewirtschaftung schwierig, auch weil manche Kleinwaldbesitzer keinen Bezug zu ihrem Eigentum besitzen und nicht Mitglied der FBG sind. Trotzdem haben sie jährliche Kosten: Sie zahlen jedes Jahr in die Berufsgenossenschaft ein; Grundsteuern und die Gewässerumlage fallen an. So ist der Trend da, Wald an Großprivatwaldbesitzer zu verkaufen. Diese Entwicklung wird verschärft durch die Sturm- und Hagelschäden der vergangenen Jahre. Thomas Roßbach, Leiter der Betreuungsforstämter Flechtingen und Letzlingen, hat konkrete Zahlen: 2500 Festmeter Holzeinschlag pro Jahr und Revier waren früher normal. Jetzt sind es seit drei Jahren immer rund 10 000 Festmeter ausschließlich Schadholz je Revier, die im Jahr eingeschlagen werden müssen. „Wir räumen nur noch hinterher und die Preise für solches, zu Industrieholz entwertetes Material sind im Keller“, fasst Roßbach zusammen und fügt an, dass auch die Aufforstungskosten gestiegen sind. Privatwaldbesitzer hätten zu ihren laufenden Kosten nicht wirklich einen Gegenwert. Da der Wald über Monate keinen Regen abbekommen und das Grundwasser sich auch abgesenkt hat, müssen die dadurch entstehenden Schäden am Wald beseitigt werden und neue Bäume gepflanzt werden. Dafür benötigen die Waldbesitzer Unterstützung. Aber Fördergelder für Aufforstungen gibt es nur für Mischwald. Holger Peine; erfahrener Revierförster in Colbitz findet es besonders in seiner Region sehr schwierig, da auf Sand nur Kiefern wachsen. Kieferaufforstungen werden aber überhaupt nicht gefördert. „Und andere Baumarten werden auf diesen Stellen nichts“, beschreibt er die prekäre Lage. Außerdem sei ein Fördergeldgesuch für die Waldbesitzer viel zu schwierig und überbordend bürokratisch, so dass die Waldbesitzer gar keine öffentlichen Mittel anstreben. Und nun der Dürresommer 2018: Den Gesamtschaden, so die Forstfachleute, werde man erst im Frühjahr richtig sehen können. Aber an den Waldfeldkanten seien die Baumleichen wie Kiefern und Douglasien bereits an den abgestorbenen Nadeln sichtbar. Die durch Trockenheit geschwächten Bäume zeigten schon jetzt im Herbst weniger Blattknospen. Und der Borkenkäfer sowie die sich stark verbreitende Pilzkrankheit Diplodia hätten dann noch bessere Chancen. Wintertrockenheit könnte die Schäden noch weiter ansteigen lassen. Andreas Berger ist stellvertretender Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Lindhorst/Colbitz und mit den Problemen der 257 Waldeigentümern und Förster auf auf 1223 Hektar Privatwald seit 12 Jahren vertraut. Die Verwaltung der durchschnittlich 4,76 Hektar Wald pro Besitzer ist Bergers Arbeit. Für diese kleinen Flächen zahlt der Besitzer Gebühren an die FBG, damit die sich in seinem Auftrag mit den Förstern um die Bewirtschaftung kümmert. Dazu gehören die Planung von Aufforstungen, also Pflügen, Pflanzmaterial, Zaunbau sowie die Betreuung der angelegten Schonungen, den Holzeinschlag, dessen Verkauf und die Auszahlung der Erlöse und die auf Schädlinge, Krankheiten, Wetterauswirkungen. Gerade bei letzterem sind die Privatwaldbesitzer auf die fachliche Kompetenz der FBG und ihrer erfahrenen Förster angewiesen.


Das Foto zeigt abgestorbene 18 Jahre alte Douglasien in einer 5 Hektar großen Mischwaldneupflanzung bei Cröchern. Die offensichtlichen Schäden könne man durch Nachpflanzungen ausgleichen, sagt Försterin Simone Bruckert aber den fehlenden Zuwachs an Holzmasse in Dürrejahren sieht man erst später an den schmaleren Jahresringen. Den fehlenden Gewinn beim Verkauf kann niemand beziffern.


Drei Jahre steht diese Roteichenkultur im Forstrevier Cröchern bereits. Nach dem Sommer 2018 steht der Schaden zwar noch nicht endgültig fest, weil Roteichen aus der Wurzel neu auswachsen können, wenn die Witterung im Winter günstig ist. 50 Prozent der Roteichen sind aber sicher endgültig verdorrt. Hierfür wird der Waldbesitzer neue Fördermittel bekommen. Eine erste Holzernte bei Roteichen erwartet man nach 35 bis 40 Jahren.