Gesunde Pflanzen und Böden – wohldosierter Pflanzenschutz ist Grundlage des ackerbaulichen Handelns

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Der Winterweizen ist schon einige Wochen in der Erde und als grüner Teppich auf den Äckern zu sehen. Nun war es in diesem Jahr schwerer als sonst, Entscheidungen über den Anbau der Kulturen zu treffen; der Regenmangel hat in den meisten Fällen verhindert, dass Raps, der für die Fruchtfolge sehr wichtig ist, ausgedrillt werden konnte. Da wo Bauern kühn Rapssaat in die Erde legten, gibt es enorme Unterschiede beim vorwinterlichen Pflanzenwachstum: Ein sehr guter Stand, wo Regen hinkam, bis zum Totalausfall. So werden in unserer Gegend nur wenige gelbe Flächen die grünen Getreidefelder im nächsten Frühsommer auflockern.
In der Agrar-Gesellschaft „Börde“ mbH Rottmersleben wird es 2019 wegen der Dürre keinen Raps geben. Auch Kartoffeln und Leguminosen werden seit einiger Zeit nicht mehr angebaut. Das macht die Fruchtfolgen, die sehr wichtig sind, um Krankheiten zu unterdrücken, sehr schwierig. Aber Thomas Seeger; Vorsitzender Geschäftsführer, muss ökonomisch denken, denn er ist Unternehmer. „Erbsen sind auf unseren Böden ertragsschwach und wie bei der Kartoffel sind die Erzeugerpreise zu gering.“
In und um Rottmersleben werden Rüben, Silagemais, Raps, Weizen, Gerste, Grünfutter und 2019 zudem Körnermais angebaut.

Thomas Seeger und Daniel Rein (re.) begutachten den Zwischenfruchtbestand.
Daniel Rein ist Pflanzenbauleiter im Unternehmen und setzt auf zwei Arten von Pflanzenschutz: Mechanisch wird der Boden für die Kulturen so gut vorbereitet, dass chemische Mittel so wenig wie möglich zum Einsatz kommen müssen, also Pflug, Grubber und/oder Scheibenegge. Beim Pflügen wird die Erde gedreht, beim Grubbern durchmischt. Der Kohlendioxidausstoß beim Pflügen ist enorm, Erosion und Wasserverluste ebenfalls. Der Grubber arbeitet die Erde tiefer durch als die Scheibenegge. Sehr krümeligen Acker für ein Saatbett bekommt man durch flaches Grubbern. Das alles sind intensive und aufwendige Arbeiten. Das Abwägen zwischen den Bodenbearbeitungsverfahren ist Daniel Reins Aufgabe.
Mit Hilfe eines Striegels kann im Frühjahr der Unkrautbewuchs reduziert werden, so dass Einsparungen von chemischen Pflanzenschutzmitteln möglich sind. Ein weiterer Vorteil des Striegels ist, die Bestockung der Weizenpflanzen anzuregen.
Mit einer Walze wird im Frühjahr hochgefrorener Boden bearbeitet, damit die Weizenpflanzen wieder Bodenanschluss bekommen.
Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass aufgrund des Regenmangels, die Getreidebestände schlecht entwickelt sind. Demzufolge werden diese Bestände zusätzlich mit Nährstoffen und Spurenelementen behandelt um gestärkt in die Winterruhe zu gehen. Flächenbezogen wird nach Unkrautart, Unkrautmenge, Schädlingsart und Schädlingsmenge entschieden, welche Mittel zur Anwendung kommen. Auf die Äcker kommen so ganz genau dosierte Mischungen aus Mineralstoffen und Spurenelementen zuzüglich der aktuell notwendigen Mittel gegen Unkraut oder Schädlinge. Grundlage dafür ist die genaue Beobachtung der Kulturen aufbauend auf das gute fachliche Wissen der studierten Landwirte.
Das ökonomische Unternehmensprinzip Seegers setzt dem Ganzen ebenfalls Grenzen: „Pflanzenschutzmittel sowie chemische Dünger kosten viel Geld. Nur soviel wie unbedingt nötig wird gespritzt.“
Das Totalherbizid Glyphosat kommt nur selten und dann auch nur nach der Ernte zum Einsatz, wenn Ausfallkulturen und Unkrautbewuchs zu stark sind und ein gutes Saatbett durch maschinelle Bearbeitung allein nicht hergestellt werden kann.
Eine sehr intensive Art des Pflanzenschutzes gibt es in der Rottmerslebener Flur; Die Freunde in den ortsansässigen Vereinen, die immer auf die finanzielle Unterstützung des landwirtschaftlichen Unternehmens bauen können, ziehen alljährlich durch den Rübenbestand und reißen die Rübenschosser (Unkrautrüben) aus.
Die fast schlachtreifen Mastbullen fühlen sich sichtlich wohl im Stroh. Ihr Fleisch kann man in der Region an der EDEKA-Fleischtheke kaufen.
Fakten zur Agrar-Gesellschaft „Börde“ mbH: Aus zwei landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften entstand 1991 der Betrieb mit Hauptsitz in Rottmersleben und der Rindermast in Klein Rottmersleben und Schackensleben. Der 30 Mitarbeiter starke Betrieb betreibt Ackerbau auf 2000 Hektar, davon 50 Hektar Grünland. 1800 Mastbullen der Rassen Fleckvieh, Charolais, Angus und Limousin stehen in den Ställen. Eine 75 Kilowatt Biogasanlage verarbeitet Mist und Gülle aus den eigenen Ställen zu Biogas. Eine zweite Biogasanlage mit 500kW wird in Kooperation mit einem Betreiber geführt.
Text und Fotos: Barbara Ilse