Landwirte in der Börde gehen beim Natur- und Artenschutz voran

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Das Holland-Modell zum Agrarumweltmanagement

Feldvögel, wie die Feldlerche, stehen im Fokus von Artenschutzmaßnahmen in Ackerbauregionen.
Der Bauernverband Bauernverbandes „Börde“ e. V. lädt alle Landwirte, auch Nichtverbandsmitglieder der Region ein, ein Modellprojekt zum landwirtschaftlichen Natur- und Landschaftsmanagement aus den Niederlanden kennenzulernen.
Hierzu wird am 21. März 2019, ab 9 Uhr, eine Betriebsleitertagung im Hotel „Bördehof“ in Ebendorf, Magdeburger Straße 42 stattfinden, auf der Henk Smith von der Agrarischen Naturvereinigung Ostgroningen (ANOG) über die Erfahrungen der dortigen Gebietskooperation berichtet. Als Gastredner spricht Horst Blum aus dem sachsen-anhaltinischen Landwirtschaftsministerium ebenfalls zum „Artenschutz auf neuen Pfaden“. Bei dem Holland-Modell handelt sich um die regionale Abwicklung von Agrarumweltmaßnahmen durch Naturvereine mit den ortsansässigen Landwirten; Ökosystemleistungen werden entwickelt, verwaltet, begleitet und kontrolliert, sowie Rahmen und Prioritäten festgelegt.
„Die Idee bietet die Chance Projekte im Umwelt- und Artenschutz selbst zu gestalten und im Verbund mit den Kollegen umzusetzen. Wir versprechen uns mehr Effektivität der Artenschutzmaßnahmen und einen zielgerichteteren Einsatz der dafür von der EU bereitgestellten Gelder. Dem Anspruch der Gesellschaft für mehr Umweltschutz stellen wir uns so gemeinsam, wir liefern in der Summe bessere Ergebnisse mit geringerem Verwaltungsaufwand für den Einzelnen“, gibt sich Urban Jülich, Vorsitzender des Bauernverbandes „Börde“ e.V. überzeugt.
Man steht dazu im engen Austausch mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Dort trägt man sich mit dem Gedanken im Rahmen eines Pilotprojektes die Umsetzung des Konzeptes im Bundesland Sachsen-Anhalt zu erproben. Der Bauernverband „Börde“ e. V. plant diesem vielversprechenden Ansatz aus Holland gemeinsam mit der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt zu folgen, denn Landwirte und Natur- und Umweltvereine sind hier nicht nur Umsetzer irgendeines Konzeptes, sondern sie gehen vorausschauend voran.
Möchten Sie an der Veranstaltung teilnehmen, bei der auch über das aktuelle Düngerecht aus Sicht des Landkreises gesprochen wird, melden Sie sich bitte an. Programm und Anmeldung: 2019-03-11_Betriebsleitertagung

Weitere Informationen zum Projektinhalt: Die Agrarische Naturvereinigung Ost-Groningen, kurz ANOG, startete 2013. Sie ist die Vereinigung von 360 Bauern in sieben Gemeinden, die auf 120 000 Hektar Landwirtschaft betreiben: Milchviehbetriebe mit Grünland und Ackerflächen für Pflanz- und Stärkekartoffeln, Getreide und Zuckerrüben.
Viele Naturvereine und Stiftungen kümmern sich um regionale Umwelt- und Naturschutzthemen in der Kulturlandschaft. Mit diesen Vereinen wirken die Bauern im Projekt zum Beispiel dem rückläufigen Vogelvorkommen entgegen. Das Land wird so gestaltet, dass Ackervögel wieder bessere Bedingungen vorfinden. Dazu gehören unter anderem Winterstoppelfelder, Mähstreifen oder vogelfreundliches Getreide wie Buchweizen und Luzerne.
Beispiele sind Gänseäsungsflächen, Wiesen- und Feldvogelmanagement, Förderung kleinstrukturierter Heckenlandschaften oder Ackerland mit Greifvogelmanagement auf festgelegten Flächen. Die Entwicklung der Vogelzahlen, Gelege, Annahme von Futterflächen durch Greifvögel, Wasserqualität der Gräben usw. wird auch in Zusammenarbeit mit Universitäten und Wasserverbänden geplant und begutachtet.
Zukunftsfähige, nachhaltige Möglichkeiten zur Verbesserung der Boden-und Wasserqualität, zur Verbesserung der Artenvielfalt und zur Landschaftspflege werden so umgesetzt. Das fachgerechte, standortangepasste Monitoring spezifischer Umweltziele macht die Sache transparent und nachvollziehbar. Man bindet vertraglich Landwirte um die vereinbarten Maßnahmen auf ihrem Grün- oder Ackerland zu erfüllen. Die Naturvereine haben für die Landwirte eine Beratungsfunktion zu den Maßnahmen inne, übernehmen das Ausfüllen der Anträge und die Kommunikation mit der Verwaltung. Dafür bezahlt der Landwirt entweder über seinen Mitgliedsbeitrag oder mit einer Weiterreichung eines Teils der Agrarumweltprämien.
Ziel des niederländischen Modells ist, dass sich ihre Prüfungen auf die System-, Finanz- und Verwaltungsprüfung auf den Naturverein beschränken und der Naturverein die Vor-Ort-Kontrolle der Maßnahmen bei den Landwirten durchführt und verantwortet.
Sehr hilfreich sind bei den insgesamt vier niederländischen Projekten der Mut und die Weitsicht der niederländischen Ministerien und Verwaltungen, die dieses groß angelegte Pilotprojekt zum Agrarumweltmanagement unterstützen.