Landsenioren sind keine Randerscheinung

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Alter und neuer Präsident, Dr. Horst Schnellhardt, unterstreicht den Wert der Geselligkeit für die älteren Menschen auf dem Lande
Das neue Präsidium der Landsenioren Sachsen-Anhalts e.V. mit Diana Borchert; Geschäftsführerin des Bauernverbandes „Nordharz“ e.V.
Auf ihrer Vertreterversammlung wählten die Landsenioren Sachsen-Anhalts vor kurzem in Hedersleben ihr neues Präsidium: Dr. Horst Schnellhardt übernimmt für die kommenden zwei Jahre wieder den Vorsitz des Landseniorenverbandes Sachsen-Anhalt e.V.; sein Stellvertreter ist Manfred Fuhlroth aus dem Harz. Außerdem gehören zum Präsidium Dr. Reinhard Meinicke aus Wanzleben, Manfred Friedrich aus Sangerhausen, Heinz Vierenklee (Landsenioren Mittlere Elbe) und Walter Pitschk aus Bitterfeld. Gudrun Böttcher und Gerhard Krüger bilden die neue Revisionskommission.
16 Landsenioren-Vereinigungen in unserem Bundesland vertreten rund 1550 Mitglieder. Die Arbeit der ehrenamtlichen Vereinigungen ehemaliger Landwirte, dem bäuerlichen Stand nahestehende Senioren und Bewohner im ländlichen Raum anderer Berufe richtet sich auf Gedankenaustausch, Bildung und Gemeinschaftserlebnisse. Meist wird pro Monat eine Veranstaltung für die rüstigen Rentner angeboten. So gibt es zum Beispiel Verkehrsschulungen, Betriebsbesichtigungen, Spargelessen, Busreisen oder Vorträge.
Die Agrargenossenschaft e.G. in Hedersleben beherbergte also vergangene Woche die rund 60 Vertreter der Landseniorenvereinigungen zu ihrer alljährlichen Zusammenkunft. Hier herrschte gute Stimmung vom kleinen Frühstück bis nach der Kaffeezeit, hatten doch Organisationskönigin Helga Ungar und Dr. Schnellhardt ein abwechslungsreiches Programm gestrickt, Wahl und Betriebsbesichtigung inklusive. Nach dem Frühstück gedachte man gemeinsam des verstorbenen Präsidiumsmitgliedes des Landseniorenverbandes und langjährigen Vorsitzenden der Landseniorenvereinigung Burgenlandkreis, Dr. Arthur Spengler, mit einer Trauerminute. Dann berichtete der Präsident über die Arbeit im vergangenen Jahr: 148 Veranstaltungen der Landsenioren mit insgesamt 6131 Teilnehmern fanden 2018 statt. Dr. Schnellhardt berichtete stolz über die „starke Truppe im ländlichen Raum“ und dankte den Organisatoren für ihre Arbeit in der finanziell angespannten Situation; Rückgang der Mitgliederzahlen auch hier. Neue Landsenioren sind sehr willkommen.
Die Demografie-Prognose für die kommenden Jahre zeige an, dass es einen Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt geben werde, aber der Anteil der älteren Menschen steige an, so Schnellhardt. 2015 waren noch 20 Prozent der Sachsen-Anhalter älter als 67 Jahre. Nur drei Jahre später sind es schon 33 Prozent. „Der Seniorentätigkeit kommt somit eine immer größere Bedeutung zu“, resümierte Schnellhardt. Auch die Familiensituation habe sich enorm verändert, kämen doch Eltern und Kinder nicht mehr so oft zusammen, wohnten oft auch weit entfernt. Der Austausch fehle. Geselligkeit sei für den einsamen Menschen umso wichtiger: „Landsenioren sind keine Randerscheinung!“ Schnellhardts Bemühungen richten sich oft auf die Beschaffung und Beantragung von Fördermitteln. Ihn ärgert, dass die Gestaltung des Lebens im ländlichen Raum für die Menschen an den Finanzen festgemacht werde und gerade für die ältere Bevölkerung wenige Geldtöpfe mit zu viel Bürokratie zur Verfügung ständen. Schnellhardt will sich demnächst direkt an die Landräte wenden und ihnen die Arbeit der Landsenioren ans Herz legen. Auch bei politischen Diskussionen wolle man sich mehr zu Wort melden. Gerade jetzt, wo den Landwirten von der Politik jegliche Fachkompetenz abgesprochen werde, der Bauernstand in Verruf gerate, seien besonders auch die Landsenioren gefragt: „Schließlich wird auch die Arbeit eures Lebens in Misskredit gebracht“, rief Schnellhardt seine Mitstreiter zum lauten Protest
auf.
Nach Dr. Schnellhardts Rede bekam Andreas Berger für seine langjährige Arbeit im Präsidium eine Bördeschatzkiste. Es folgte die Neuwahl des bereits oben erwähnten Präsidiums und anschließend hielt Diana Borchert, Geschäftsführerin des Bauernverbandes „Nordharz“ e. V. einen Vortrag „Zur Zukunft der deutschen Landwirtschaft“. Ihre prägnante Rede gipfelte in einer Aussage: „Die heimische Landwirtschaft ist nicht ersetzbar“. Dafür erntete sie verdienten Applaus.
Ein geführter Betriebsrundgang in der Agrargenossenschaft e.G. Hedersleben schloss den Landseniorentag würdig ab.
(Informationen über den Landwirtschaftsbetrieb unter: www.ag-hedersleben.de /
Auf der Startseite des Betriebes können Sie sich zudem ein sehr informatives Video über moderne Landwirtschaft ansehen.)
Text und Foto: Barbara Ilse