Aus Schwein wird Wurst und aus Milch wird Käse

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Schüler auf Exkursion zu regionalen Bauern
In Völckes Hofladen in Lemsdorf grunzten die Schweine wild durcheinander, aber die Kinder hatten kein Bange.
„Guck mal! Das Schwein da, das sieht schon aus wie Mortadella.“ Die Neunjährige zeigt auf ein großes Schwein im Stall bei „Völckes Hofladen GbR“ in Lemsdorf. Neugierig drängen sich die schlachtreifen Schweine am Gitter und die Kinder davor hören gespannt zu, was Christian Völcke über das Schweinefutter erzählt.
Die 3. Klassen der Gemeinschaftsschule „An der Burg“ Wanzleben konnten ihren Sachunterricht zum Thema „Haustiere“ durch einen Tagesausflug zu zwei regionalen Tierhaltern ergänzen. Organisiert hat das Yvonne Timmermanns, die eine Tochter in einer der 3. Klassen hat. So fuhren denn kürzlich 36 Kinder und vier Erwachsene mit dem Bus, den der Bauernverband Börde e. V. über das Förderprogramm „Grünes Erleben“ finanziert, an einem verregneten Tag in die Milchproduktion Meyendorf von Martin Vruggink und anschließend nach Lemsdorf, wo man Schweine, Enten und Hühner hält, wo Obst und Gemüse wachsen und Direktvermarktung angeschlossen ist.
Lehrerin Ingrid Belcour hatte die Schüler gut vorbereitet und so konnte die Gruppe, begleitet von Frau Belcour, den Müttern Stefanie Christian, Heike Pitschmann und Yvonne Timmermanns, am Morgen den Rundgang durch die Milchviehhaltung bei den Kälbchen beginnen. Jannecke Haverschmidt und Dominic Kuntze, junge Tierwirte, angestellt bei Martin Vruggink, erklärten den in zwei Gruppen geteilten Kindern die Aufzucht der Milchkühe am Hof. Die Kälbchen bleiben drei bis vier Wochen in Meyendorf. Dann werden sie in den Harz zur Aufzucht verkauft und nur die Milchkühe kommen nach zwei Jahren wieder zurück. Die Kinder hatten viele Fragen: Wieviel Wasser trinkt eine Kuh? Was machen sie, wenn eine Kuh krank wird? Warum ist die eine weiß und die andere da braun? Dominic Kuntze hatte auf alles eine kindgemäße Antwort. Die Jungen wollten dann schnell zu den größeren Kühen und zur Melkanlage aber die Mädchen fanden die Minikühe sooo süüüß; die ganz Mutigen ließen sogar Kälbchen an den Fingern saugen. Aber auch sie mussten sich dann doch losreißen. Besamung, Tragzeit, Abkalben, Färse, Bulle, Abdecker – alle Fachausdrücke wurden den Kindern beim Betrachten der großen Tiere nahegebracht. Ganz stolz erläuterte Dominic, dass in den offenen Ställen einige 12 bis 13 Jahre alte, schöne gesunde und für ihre Lebensleistung an Milch prämierte Kühe ständen. Das sei etwas ganz Besonderes, weil das Durchschnittsalter der Milchkühe in Sachsen-Anhalts Milchviehanlagen bei nur 4 bis 4,5 Jahre läge. In der Melkanlage staunten die Kinder nicht schlecht, laufen doch täglich 26 000 Liter Milch aus den Kuheutern über 16 Melkplätze in den großen Tank. Die ganze Meyendorfer Milch wird in Waren zu Käse verarbeitet. Die Futterberge, Silage aus Gras und Mais sowie Schrot, Mineralstoffe und ähnliches fanden die Kinder riesig groß, bis Dominic Kuntze den Tagesfutterverbrauch einer Kuh mit 80 Kilogramm bezifferte und im Stall ja 700 Tiere gemolken werden. Dann konnten sich die Kinder die Relationen in etwa vorstellen. Zum Abschluss verteilte Janneke Haverschmidt kleine Joghurts, die noch schnell vor der Busabfahrt ausgelöffelt wurden.
Die Mädchen fanden die scheuen Kälbchen so niedlich.
Kurze Pause in der Wanzlebener Schule und dann wartete schon Christian Völcke in Magdeburg/Lemsdorf auf die Schüler und ihre Betreuer. Ziegen und Kaninchen bekamen Gras und Streicheleinheiten. Im großen Garten wurde Wissen über Nutzpflanzen und Bäume vertieft. Kilian erkannte als einziger die lila Blüten als Schnittlauch.
Ein Wortwechsel zwischen Schüler und Lehrer: „Was ist das für ein Baum?“„Das ist ein Kirchbaum.“ „Buchstabiere mal.“ „K-I-R-C-H-E“ „Das wäre dann ein Gebäude, eine Kirche.“ „Ach ja, K-I-R-S-C-H-E.“ „Richtig!“
Das Futter für die 500 Hühner durfte probiert werden und der Chef erläuterte die Zusammensetzung des nach Müsli riechenden Gemischs. „Da ist ja Sand drin!“, lautete eine Kinderfrage und Christian Völckes Antwort: „Die Sandkörner zerreiben im Magen das Futter, weil die Hühner ja keine was haben?“ Erst ein Tipp brachte die Kinder auf die fehlenden Zähne. Lohmanns Braune, so die Hühnersorte auf dem Bauernhof in fünfter Generation, legen die begehrten braunen Eier, die im Lemsdorfer Hofladen verkauft werden. Die Schweine, die im Stall ein Jahr gemästet werden, landen dann als Fleischstücke und Wurst hinter der Ladentheke, wo auch selbstgebackener Kuchen, Marmeladen, Gewürze, Brot, Obst und Gemüse zum Verkauf stehen. Marmelade für Mutti, ein Apfel für gleich jetzt oder eine Zitrone für den Abendtee; die Kinder hatten individuelle Kaufideen im hübschen Geschäft. Mit einem Abschlussfoto endete der Besuch beim einzigen Schweinhalter in Magdeburg.
Die dritten Klassen der Gemeinschaftsschule „An der Burg“ Wanzleben
besuchten regionale Tierhalter.
Das Projekt „Grünes Erleben – Bauernhof als Klassenzimmer“ wird gefördert vom Ministerium für Bildung aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt. Den notwendigen Eigenanteil der Ausgaben tragen die besuchten Landwirtschaftsbetriebe.
Text und Fotos: Barbara Ilse