Bewässerungstagung in Strenzfeld

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Trockenheit in der Hauptvegetation wird sich ausbreiten.


Annähernd 100 Fachkollegen folgten der Einladung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen- Anhalts und der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) zur Bewässerungstagung und waren aufmerksame und kritische Zuhörer.
In seiner Begrüßung wies Prof. Dr. Falko Holz, Präsident der LLG auf die Notwendigkeit einer effizienten Nutzung der knappen Ressource Wasser hin. Er sagte: „Die Landwirtschaft muss sich auf mögliche Folgen des Klimawandels, langanhaltende Dürreperioden einstellen. Ein zunehmender angespannter Wasserhaushalt und Wetterextreme gefährden die landwirtschaftliche Erzeugung und die Bodenfruchtbarkeit. Neue resiliente Anbausysteme und Risikostreuung sind wichtige Strategien. Der Bewässerungsbedarf zur Gewährleistung einer nachhaltigen Ertragssicherheit wird zunehmen. Der Sicherstellung der Rauhfutterbasis kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Art und Weise sowie der Umfang der zukünftigen Bewirtschaftung der regionalen Wasserressourcen wird für die Landwirtschaft eine wichtige Rahmenbedingung darstellen und die Entwicklung von Wassermanagementsystemen erfordern.“
Unter Beachtung der wasserrechtlichen Voraussetzungen und der ökonomischen Tragfähigkeit ist die Ausdehnung der Bewässerungsfläche eine zu prüfende Option. Auf der Vortragstagung und sehr regen Diskussion wurde zwingend sichtbar, bei der Nutzung der Wasserressourcen ist auf wassersparende Technik sowie ein regionales Wassermanagement mit allen Partnern im ländlichen Raum zu orientieren.

Wasserressourcen nachhaltig bewirtschaften

Im Zusammenhang mit Beregnungsmöglichkeiten hat eine nachhaltige Bewirtschaftung des Grundwassers oberste Priorität. Schon jetzt leiden die landwirtschaftlichen Betriebe im mitteldeutschen Trockengebiet durchschnittlich zehn Wochen im Jahr an einer unzureichenden Wasserversorgung für die Nutzpflanzenbestände. Die Berechnungen zu den Auswirkungen des Klimawandels lassen vermuten, dass sich in bestimmten Regionen des Landes diese Trockenheit noch drastisch ausdehnen wird. So ist davon auszugehen, dass der Klimawandel in Regionen mit zunehmender Frühjahrstrockenheit und Hitzestress zu einer Verringerung der Ertragsstabilität führen wird. Ziel muss sein, so Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst Leipzig, keinen Tropfen Regen zu vergeuden, überschüssige Niederschläge schadlos (u.a. Erosion/Nährstofffrachten) abzuführen.
Von Referenten des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und des Landesverwaltungsamtes wurden die gesetzlichen Grundlagen für die Wasserverfügbarkeit, die Genehmigungspraxis Gewässerbenutzungen sowie der Wasserentnahme aufgezeigt. Es kann erforderlich werden, wasserrechtlich genehmigte Entnahmen von und Einleitungen ins Grundwasser zu überprüfen, neu zu regeln, oder zu beschränken, und gegebenenfalls einen Ausgleich zwischen konkurrierenden Nutzungen zum Wohl der Allgemeinheit zu schaffen. Diese bedürfen der Konkretisierung auf Grundlage der Wasserrahmenrichtlinie und des Wasserhaushaltsgesetzes, war eine Forderung in der Diskussion.

Dr. Sebastian Ulrich
Dr. Sebastian Ulrich von der Gerlebogker Landwirte e.G. kritisierte in seinem Praxisbericht Erfahrungen mit der Beregnung die langwierige Genehmigungspraxis im Antragsverfahren seitens der Behörden. Er betonte mit Zustimmung seiner Berufskollegen: „Landwirte benötigen einen verbindlichen Planungsrahmen für nachhaltige Anpassungsoptionen und zukunftsfähige langfristige Investitionen.“
Dr. Michael Steiniger, Mitteldeutsches Institut für angewandte Standortkunde und Bodenschutz Halle, stellte in seinem Erfahrungsbericht aus der Altmark zur wechselseitigen Wasserregulierung ein erfolgreiches Pilotprojekt zur Reaktivierung/Modernisierung noch vorhandener Stauanlagen vor, das von den anliegenden Landbewirtschaftern gut genutzt und unterhalten wird.
Ein Fazit: Die Tagung zeigte vielfältige Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten zum Thema Bewässerung und Wassermanagement auf. Das Interesse der Akteure und deren Bereitschaft mitzuwirken ist groß, die Unterstützung mit weiteren Veranstaltungen wurde zugesagt.

Text und Fotos: Dr. Harald Lütkemeier, Bauernverband Salzland e.V.