Makelloses Trinkwasser im Land

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Grundwasser ist wertvolles Schutzgut – Bauern sind sich ihrer Verantwortung bewusst
Gülle wird bodenschonend ausgebracht und direkt in den Boden eingearbeitet. Ein Reifendruckregelsystem und die spezielle Räderstellung minimieren den Bodendruck. Zugegeben werden können Nitrifikations-und Ureasehemmer.
„In diesen heißen Sommertagen ein kühles Glas voll Wasser direkt aus dem Hahn ist eine Wohltat ohnegleichen“; dieser Ansicht von Urban Jülich, dem Vorsitzenden des Bauernverbandes „Börde“ e.V. schließen sich alle sicher gern an. Jülich weiter: „Auch die Grundwasserqualität ist gut und wird immer besser. Das ist das Ergebnis der guten fachlichen Praxis der regionalen Bauern und der strengen Vorgaben durch die aktuelle Düngeverordnung von 2017.“
Der Stickstoffbericht der Bundesregierung belegt, dass von 1990 bis 2014 der Stickstoffüberschuss um rund 44 Prozent zurückgegangen ist. „Mit der Verschärfung der Vorgaben wird sich dieser Trend weiter fortsetzen“, ist sich Landwirt Jülich sicher. Damit seien die Bauern Umsetzer der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.
Auf dem Steintritt des Amtshofes in Hadmersleben genießt Urban Jülich einen Schluck Wasser.
Das Thema einer möglichen „Belastung des Trinkwassers“ untersuchen laufend staatliche Stellen. Auf eine „Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung“ des Landtagsabgeordneten Bernhard Daldrup (CDU) folgte ein 82-seitiges Antwortschreiben des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie mit der Nummer KA 7/1761 im Sommer vergangenen Jahres. Dort steht unter anderem: „Eine Wasseraufbereitung zur Entfernung von Nitrat und Pestiziden aus dem für Trinkwasserzwecke genutzten Rohwasser fand in den letzten fünf Jahren bei keinem der zentralen Wasserwerke statt.“ Eine Beobachtung des Grundwassers erfolgt durch den Gewässerkundlichen Landesdienst, dessen Messergebnisse verschiedenster Güteparameter auch im Internet veröffentlicht werden.

„Versäumnisse aus früheren Tagen kann man nicht den heute hier wirtschaftenden Bauern anlasten. Den Verbraucher zu verunsichern ist unnötig, zumal das Trinkwasser in unserer Region von besonderer Güte ist. Es ist wichtiger, das Vertrauen in die heimische Landwirtschaft und deren streng überwachte Lebensmittelproduktion zu stärken. Regional angebaut oder gezüchtet und hier verarbeitet sollten die Grundvoraussetzungen zu guter Ernährung sein“, fasst Jülich die momentane Schieflage in den Diskussionen zusammen.
Die Anforderungen in der deutschen Landwirtschaft sind hoch, das Ausbildungsniveau für den Landwirt in der Lehre und dem Studium ebenfalls. „Mit Erfahrung und Übung ergibt sich daraus unsere gute fachliche Praxis. Jeder Landwirt in Sachsen-Anhalt muss jährlich Bodenproben an zertifizierte Labore liefern.“ So könne anschließend zielgenau und jeweils nach aktuell gemessenen Werten Gülle mit Schläuchen oder Dünger mit Streuer oder Spritzen ausgebracht werden. „Die Düngeverordnung, die deutsche Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie, ist ein weiterer, sehr entscheidender Schritt zu noch effizienterer Düngung in der Landwirtschaft“, fügt Jülich hinzu.

Zur Information:

Seit 2009 gibt es das Düngegesetz. 2012 erließ Deutschland die Düngemittelverordnung. Seit dem 2. Juni 2017 ist die Düngeverordnung gültig. Sie präzisiert die Anforderungen an die gute fachliche Praxis der Düngung. Hier wird geregelt wie mit der Düngung verbundene Risiken, zum Beispiel Nährstoffverluste, zu verringern sind. Anschließend ist der Stickstoffdüngebedarf der Kulturpflanzen für Ackerland und Grünland als standortbezogene Obergrenze vor der Aufbringung zu ermitteln. Die Bedarfsermittlung hat das Gleichgewicht zwischen dem voraussichtlichen Nährstoffbedarf und der Nährstoffversorgung zum Ziel.
Einbezogen werden das Ertragsniveau der Kulturen basierend auf den Realerträgen der letzten Jahre, die Stickstoffmengen, die im Boden verfügbar sind, die Stickstoffmengen, die während des Pflanzenwachstums zusätzlich pflanzenverfügbar werden, die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von organischen Düngemitteln im Vorjahr und aus Vor- und Zwischenfrüchten.
Die Düngeverordnung beinhaltet Aufbringungsbeschränkungen für stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel in Abhängigkeit von Standort und Bodenzustand, regelt Sperrzeiten für die Aufbringung von Düngemitteln und macht Vorgaben zur Lagerung organischer Düngemittel.

Weiterführende Informationen und Links zu externen Quellen:

Antwort der Landesregierung auf Kleine Anfrage: https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp7/drs/d3119cak.pdf

Gewässerkundlicher Landesdienst: http://gldweb.dhi-wasy.com/gld-portal/

Was sind Nitrifikations-und Ureasehemmer?

(Beschreibung aus dem wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages)
Nitrifikationshemmer (Nitrifikationsinhibitoren) sind chemische Zusatzstoffe in Düngemitteln, die die Nitrifikation des Ammoniumanteils zeitlich verzögern. Hierbei wird die bakterielle Oxidation des Ammonium-Ions (NH4+) unterdrückt, indem die Aktivität von Nitrosomonas spp. im Boden gehemmt wird. Bakterien vom Typ Nitrosomonas wandeln Ammonium in Nitrit (NO2-) um, das wiederum von Nitrobacter und Nitrosobulus weiter zu Nitrat (NO3-) oxidiert wird. Stickstoff wird folglich durch die Nitrifikationsinhibitoren länger in der Ammonium-Form gehalten, um die Zeit für eine Aufnahme durch die Pflanzen zu verlängern.
Ureasehemmer (Ureaseinhibitoren) sind Agrarhilfsstoffe, die die Geschwindigkeitder Harnstoffhydrolyse (Spaltung von Harnstoff durch Wasser) herabsetzen. Ihre Wirkung wird maßgeblich durch Bodeneigenschaften (Feuchte, Temperatur, pH-Wert, organischer Substanzgehalt und Textur) beeinflusst. So zeigen Ureasehemmer auf sandigem Boden und sandigen Lehmböden eine erhöhte Wirksamkeit. Es existieren anorganische und organische Ureasehemmer. Besonders gut untersuchte anorganische Ureasehemmer sind Schwermetallsalze. Zu den als Ureasehemmer eingesetzten und bewerteten organischen Verbindungen zählen zum überwiegenden Teil Phenolderivate mit unterschiedlicher Substitution wie Chinone, Catechole und Aminokresole sowie Amido-Derivate der Phosphorsäure und der Thiophosphorsäure unterschiedlichen Substitutionsgrades.