Melkschemel gibt’s nicht mehr

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Ausbildung zum Tierwirt in der Milchproduktion Meyendorf
Milchviehanlagenchef Martin Vruggink und Jaqueline Wischum, die im Herbst die Ausbildung zum Tierwirt in Meyendorf beginnen möchte, schauen bei den drei Monate alten Kälbern nach dem Rechten.
Jaqueline Wischum möchte Tierwirtin werden und macht deshalb ein Praktikum im Betrieb ihrer Wahl, in der Milchproduktion Meyendorf bei Martin Vruggink. Einige Tage hat sie mit Tierwirtin Janneke Haverschmidt alle anfallenden Arbeiten erledigt.
„Das ist meins, ich wollte schon immer mit Tieren arbeiten“, sagt die Praktikantin und streichelt dabei die Kälbchen. Aber das Streicheln ist heute nur für das Foto. Ansonsten stehen vielfältige Arbeitsaufgaben an: Füttern, Melken, Versorgen von kranken Tieren oder auch Gülleschieben – Arbeitsalltag in einer Milchviehanlage. Praktikanten dürfen natürlich nur helfen.
Bei Lea Rhode, die einen großen Teil ihrer dreijährigen Lehrzeit bei Martin Vruggink verbringt, sieht das schon ganz anders aus. Zwar noch im ersten Lehrjahr ist sie bereits überall dabei. „Lea läuft immer mit, kann sich umfassend ausprobieren. Sie kann bereits jetzt selbständig die Kälber füttern. Mit den jungen Tieren geht sie sehr gut um“, sagt Vruggink und blickt in die Zukunft: „Das wird bestimmt später mal ihr Arbeitsbereich. Die Lehrlinge auf dem Hof sollen wissen, warum sie etwas tun; zum Beispiel, warum die Frischmelker, also Kühe die das erste Mal gekalbt haben, zuerst gemolken werden müssen: Das ist eine Risikogruppe, die sehr anfällig ist für Keime.“ Fördern und Fordern der Azubis, das ist sein Motto. Er hofft, dass Lea Rhode nach der Lehre im Betrieb bleibt und dass Jaqueline Wischum im Herbst tatsächlich bei ihm anfängt, die dreijährige Ausbildung durchzieht und dann auch in Meyendorf tätig ist.
Die Ausbildung von Fachkräften kostet viel Zeit und viel Geld. Dabei haben es die zukünftigen Tierwirte, Landwirte und Fachkräfte für Agrarservice hier im Bundesland besonders gut: Die Berufsschulen sind in Salzwedel, Halle und Wittenberg und die überbetriebliche Ausbildung absolvieren Lehrlinge in Iden, alles in Sachsen-Anhalt. In Haldensleben könnte man auch die Fachschule besuchen oder auch nach Bernburg oder Halle zum Landwirtschaftsstudium gehen.
Vruggink hat schon an die 20 Lehrlinge ausgebildet. Die meisten allerdings werden Landwirte in anderen Betrieben und absolvieren bei ihm nur den tierpraktischen Teil. Die kompetente junge Tierwirtin Janneke Haverschmidt ist dabei für die Azubis Ansprechpartnerin. Vruggink hat sich über den Bauernverband „Börde“ e.V. vor kurzem um den Titel „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ beworben.
Die Milchviehanlage Meyendorf hat Vruggink 2004 als Ruine mit 90 Kühen gemeinsam mit einem Investor übernommen. Seit März 2019 ist er Alleininhaber. 16 Mitarbeiter sind hier auf der Anlage und auf den 360 Hektar dazugehörigen Land beschäftigt. Lohnarbeit lastet seinen Maschinenpark zusätzlich aus. Zurzeit hat er rund 700 Kühe und etwa 80 Kälber in den Ställen. 25 000 bis 26 000 Liter Milch kommen am Tag zusammen. Das füllt einen LKW pro Tag. Die gesamte Milch wird in Waren zu Käse verarbeitet. Vruggink kann stolz auf seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter schauen, denn seine Prämierungen füllen ganze Wände: Wie in jedem Jahr gehört der Betrieb auch 2018 zu den Spitzenbetrieben des Landeskontrollverbandes für Leistungs-und Qualitätsprüfung Sachsen-Anhalts, also zu den besten Milchviehbetrieben des Landes. Viele seiner „alten“ Kühe sind prämiert für ihre Milchleistung, wie zum Beispiel „Astrid“ die 2008 geboren ist und 2019 in ihrer 8. Laktation eine Milchleistung von 100.000 Litern erreichte (Laktation=Milchabgabe). Den Status einer eutergesunden Herde zu bekommen und zu erhalten kostet viel Arbeit. Dazu gehört auch die ständige Auswertung der Milchkontrollen. Moderne Computertechnik macht den Überblick über die sogenannten Zellzahlen, die den Entzündungszustand wiedergeben, möglich. Der hochtechnisierte Melkstand, GPS-gesteuerte Maschinen – ein Tierwirt sitzt nicht auf dem Melkschemel. Es ist ein zeitgemäßer, hochtechnisierter Beruf, der gesunde Tiere und gute Lebensmittel zum Ziel hat. Tierwirt kann man auch in den Bereichen Schweinehaltung, Geflügelhaltung, Schäferei oder Imkerei werden.

Weitere Informationen sowie Ausbildungsstellen auf www.grüne-berufe.de .

Text und Foto: Barbara Ilse