Imkerei in Stadt und Land – Bauern und ihre Bienenzucht

Eingetragen bei: Allgemein | 0
1. Landwirt erntet preisgekrönten Honig

Frank Böcker in Emden bei Altenhausen ist Gebieter über 20 Völker, die in seinem Auftrag Honig für ihn sammeln. Er ist Imker. Außerdem ist er Landwirt, Jäger und nicht zuletzt Vater von vier Kindern im Alter von 4 bis 21 Jahren. Familie, Hof und Hobbys – ohne seine Frau Yvette geht gar nichts.
Sie bewirtschaften 360 Hektar, davon sind 40 Hektar Grünland. Angebaut werden Zuckerrüben, Raps, Gerste, Weizen und auch Mais, weil Böckers Anteile an einer Biogasanlage besitzen. Zur Imkerei kam er während seines Landwirtschaftsstudiums an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften. Dort betreibt man seit längerem einen Lehrbienenstand, für den irgendwann ein neuer Betreuer gesucht wurde. Da Frank Böcker schon im Bauernclub aktiv war, bereits einige Bienenlehrgänge besucht und Freude an dieser Beschäftigung gefunden hatte, lag es nahe, diese Aufgabe zu übernehmen. Sechs Jahre später, er hatte viele Studenten an die Imkerei herangeführt, das Studium war beendet und der Honig hat nie gereicht, nahm er Ableger der Bienenvölker mit nach Hause. Hier übernahm er auch den Bauernhof seines Vaters, Opas, … und begründete dort die eigene Imkerei. Sein Sohn studiert jetzt ebenfalls in Halle Landwirtschaft und ist dort für den Lehrbienenstand verantwortlich. Die Imkerei ist eine Familienaufgabe und „die Nachfrage nach Honig ist groß“, berichten Frank und Yvette Böcker, die von der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH für ihren besonderen „Pollenhonig vom Böckerhof“ ausgezeichnet wurden.
Frank Böcker züchtet seine Bienenvölker selbst, ist also ein klassischer Imker und stolz auf sein „gutes Bienenmaterial“. Bis zu 70 Kilogramm Honig „erntet“ Böcker pro Volk. Aber das ist eben mit viel Aufwand verbunden: Neue Ableger müssen fünf bis sechs Kilometer weggebracht werden, weil der Flugradius der Bienen nur bis zu drei Kilometer reicht. Seine Bienen sammeln Honig von Löwenzahn, Obst, Raps, Linde und Robinie. Blüht nichts mehr, gibt es Zuckerwasser bis die Bienen in die Winterruhe gehen. „Stadtbienen habe auch später im Jahr noch bessere und ergiebigere Futterquellen als die Dorfbienen“, meint der Fachmann. „In den Parks gibt es viele asiatische Spätblüher.“ Der Hobbyimker bringt seine Völker zum Honigsammeln an ertragreiche Orte wie zu seinen Rapsfeldern, zu den Erxlebener Linden und ein besonders delikater Böcker-Honig ist die Sommerblüte mit Götterbaumtracht aus Halle. 2018 war durch die Trockenheit ein gutes Bienenjahr resümiert Böcker: „Die Obstblüte fiel sehr reichlich aus, auch Raps und Linde. Alles hat auf einmal geblüht. Sonst kommt es nach und nach.“ Hauptberuflich ist er natürlich Landwirt und so sieht er die Imkerei auch aus einem anderen Blickwinkel und hat einiges probiert, was gut für seine Bienen ist. „Raps muss man nicht in Blüte spritzen; das bringt keine wirkliche Ertragssteigerung. 100 Euro Spritzkosten pro Hektar für drei Dezitonnen pro Hektar mehr? Das lohnt doch nicht. Dann lieber drauf verzichten und was Gutes für die Bienen tun.“ Außerdem sollten sich die Bauern doch an die Zeiten halten und abends spritzen, wenn die Bienen im Stock sind. Der Jäger Böcker empfiehlt, die Feldränder nicht mehr abzuhäckseln. Dorthin könnten sich Fasane, Rebhühner und Hasen zurückziehen und auch Wildbienen fänden hier viele Blühpflanzen. Das beträfe natürlich auch Straßen- und Wegeränder, die ja von den Kommunen kurz gehalten würden. Das Blühstreifenförderprogramm in Sachsen-Anhalt bezeichnet er als fachlich und praktisch nur sehr schwer umsetzbar, weil es auf fünf lange Jahre ausgelegt sei und neben Disteln und Brennnesseln auch dominante Ungräser, trotz Schröpfschnitt schon im dritten Jahr die Gewinner seien. „Schlitzen und nachsäen ist Unsinn, weil es praktisch nicht durchführbar ist.“ Böcker rät den Bauern zum Dialog mit den Imkern.

2. Yves Krone bändigt ganze Völker

Yves Krone ist der Mann, der Waben entdeckelt, Honig schleudert und ihn eine Woche lang, dreimal am Tag rührt, damit er feincremig kristallisiert. „Dann hält sich Honig auch zwei Jahre und länger“, sagt er. Krone ist 24 Jahre jung und seit drei Jahren Imker in Magdeburg. Sein Auto mit der lustigen gekrönten Biene kennt, wer guten Honig mag. In der Gartensparte „Gartenglück“ kann man ihn treffen, wenn er nach seinen Bienen sieht. Sie kreisen aber auch über dem Damaschkeplatz und in Niederndodeleben. 17 Völker unterstehen ihm. Krone hatte schon immer Interesse an schwärmenden Insekten; als Kind faszinierten ihn Ameisenvölker. Sein Wissen über die Bienenzucht hat er sich während seines Studiums der Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erworben. Bienenkurse sind dort seit einiger Zeit Wahlpflichtfach; Krone studiert seit zwei Jahren dort. Er meint: „Es ist ja gerade schick, ein Bienenvolk zu halten, aber es reicht nicht ein Buch darüber zu lesen. Man sollte das von erfahrenen Imkern lernen, auch einiges an Praxis haben, damit man weiß was zu tun ist, wenn zum Beispiel die Nahrung für die Bienen nicht ausreicht.“ Pro Volk erntet er etwa 30 bis 40 Kilogramm Honig im Jahr. Es gibt Krone-Honig der Sorten Obstblüte, Raps, Robinie und Linde. Dreimal wird geerntet: Ende Mai nach Raps und Obstblüte, Ende Juni nach der Robinienblüte und Ende Juli nach der Lindenblüte. „Aber sortenreinen Honig gibt es selten“, fügt er hinzu. Entdeckeln, Schleudern, Rühren, in Gläser füllen – viel Arbeit, aber für Yves Krone ein Hobby welches auch die Kosten deckt, weil sein Honig gern gekauft wird; verbunden mit dem Spruch: „Die Arbeit darf man natürlich nicht rechnen.“ „Die Naturverbundenheit habe ich schon mit meinem Opa, der in der Landwirtschaft gearbeitet hat, entdeckt. Es ist einfach eine coole Sache, das mit den Bienen. Man nimmt den Jahresverlauf dann auch ganz anders wahr. Plötzlich entdeckt man, dass auch Unkraut blüht“, Krones Begeisterung ist ansteckend. Und der junge Imker schwärmt weiter von schwärmenden Bienen. Aus Erfahrung weiß er, Schwarmstimmung im Bienenstock herrscht, wenn ganz besondere Zellen gebaut werden. Um ein neues starkes Bienenvolk zu züchten, benötigt er dann eine gute Königin. Aber nicht nur die Beschäftigung mit seinen eigenen Bienen interessiert ihn, auch die Imkerpolitik ist sein Steckenpferd. Es ärgert ihn zum Beispiel, dass unkontrollierte Bienenimporte aus Italien erlaubt sind, denn so kämen immer neue Krankheiten und Schädlinge ins Land. Zum Beispiel könne so der Beutenkäfer als blinder Passagier mitreisen und wäre zur Varroamilbe eine weitere existenzbedrohende Belastung für die Völker. Er weiß auch, dass Honigbienen keinesfalls vom „Bienensterben“ bedroht sind. Das beträfe vor allem die vielen Wildbienenarten, die nur sechs Wochen lebten. Jede Art ernähre sich meist von wenigen oder nur einer besonderen Blühpflanze und wenn die dann gerade nicht blüht, stirbt die Biene. Krones Ratschläge auch als angehender Landwirt: Zwischenfrüchte seien wichtig, er selbst habe mit Phacelia gute Erfolge erzielt. „Das Spritzen in der Rapsblüte sollte nach dem Bienenflug erfolgen, der zwischen 19 und 20Uhr eingestellt wird. Bis 2 Uhr am Folgetag sollte das Spritzen abgeschlossen sein, damit der Wirkstoff bis zum Beginn des Bienenfluges mit dem Sonnenaufgang abtrocknen könne“. Und Krone weiter: „Für die Wildbienen muss die Politik etwas tun: Feldwege mit blühenden Rändern, Gehölze und Hecken mit heimischen Pflanzen, die wieder ein sogenanntes „Trachtenfließband“ übers Jahr bilden. Auf Brachflächen sollten durch zum Beispiel Streifensaat heimische Wildblumenmischungen etabliert werden. Außerdem müssten solche Maßnahmen gezielter durch die Politik gefördert werden Dann wäre schon einiges gewonnen.“
Wenn Sie Fragen haben oder Tipps für Blühmischungen benötigen: E-Mail an yveskrone@web.de

Zur Information: Vor 12 000 Jahren begann der Mensch Honig zu ernten und vor 6 000 Jahren begannen die Menschen die Honigbiene zu „zähmen“. Honig- und Wildbienen bestäuben 80 Prozent der Kultur- und Wildpflanzen in Deutschland und vollbringen hier die wichtigste Arbeit für uns Menschen. Ohne Honig könnten wir jetzt leben, früher war es das einzige Süßungsmittel, aber ohne Bestäubung gibt es nichts zu ernten. Bienen ernähren sich von Nektar, Pollen und Honigtau, dem zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukt von Blattläusen. Die Biene fügt dem Blütenpflanzennektar Enzyme zu, der dann als Honig in die Waben eingelegt wird.