Ackerbau-Allgemein

Nach der Kampagne ist vor der Kampagne

Carsten Prüße begrüßte alle Anwesenden Mitglieder im Namen des Voirstands des ZAV

Vor kurzem trafen sich rund 80 Landwirte und am Thema interessierte Fachleute auf der traditionellen Winterveranstaltung der Nordzucker AG und des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg e.V. (ZAV) in der Zuckerfabrik Klein Wanzleben. Die gerade zu Ende gegangene Verarbeitungssaison im Werk, die Zuckerrübenkampagne, und die Aussichten auf die 2026-iger Kampagne wurden besprochen. Dazu gab es einige Vorträge und Diskussionen. Carsten Prüße, Landwirt in Hundisburg und stellvertretender Vorsitzender des ZAV, moderierte die Veranstaltung. Er begrüßte alle und dankte Fabrikchefin Meike Bluhm für die Gastfreundschaft.

Die Kantine der Zuckerfabrik war gut besetzt als Dr. Lars Gorissen, Vorstandsvorsitzender der Nordzucker AG, über die guten Erträge und meist guten Zuckergehalte der vergangenen Saison berichtete. Er dankte den Mitarbeitern der Zuckerfabrik für die verlässliche gute Verarbeitung der Rüben. Auch in der gesamten EU seien gute Erträge erzielt worden, sagte Gorissen. Viel Zucker – die Kehrseite der Medaille – „die Preise rutschen massiv ab“, resümierte der Fachmann mit dem großen Überblick. So wies er auch auf die Weltmarktpreise hin, die seit zwei Jahren niedrig seien. „2027/2028 müssen wir wieder Geld verdienen“ fasste er die Situation zusammen und konstatierte, dass Investitionen, Produktions- und Transportkosten, auch die Rübenpreise angepasst werden müssten. Zuckerfabrikchefin Meike Bluhm schloss sich bei ihrer ersten Winterveranstaltung mit einem Überblick über die erfolgreich abgeschlossene 131-Tage-Kampagne an. Nur wenige technische Unterbrechungen behinderten den Ablauf. Sie wies auf nötige Investitionen für die kommende Saison hin, wozu unter anderem der Ausbau der Verdampfstation oder auch eine neue Schneidmaschine gehören.

Fabrikchefin Meike Bluhm referierte über die zurückliegende Kampagne und bevorstehende Investitionen

Harm-Henning Wolters, Chef vom Agricenter Klein Wanzleben, fasste zusammen, dass es in diesem Jahr überall hohe Erträge gab, durchschnittlich 13,5 Tonnen pro Hektar(t/ha), damit erfreulicherweise mehr als im Mittelwert der vergangenen Jahre. Auch der Zuckergehalt sei im Einzugsbereich mit rund 18,6 Prozent hoch gewesen. Wolters ging auch auf die sogenannten „Bahnrüben“ ein, einem Projekt bei dem Rübentransporte mit der Bahn über 280 Kilometer aus Mecklenburg/Vorpommern angeliefert und hier verarbeitet wurden. „Nun hat die Saatgutauslieferung für die neue Saison bereits begonnen“, so Wolters weiter. Er dankte den Rübenanbauern und ihrem Verband für die gute Zusammenarbeit.

Mit Aktuellem aus der Zuckerfabrik, dem Weltmarkt, Chancen und Risiken befasste sich der Vortrag von Björn Kiepe, ebenfalls Nordzuckerfachmann. Er referierte wie seine Vorgänger über das erfolgreiche Jahr und sagte, dass „auch global das Rohr voll ist“, dass „keine Preiserhöhung auf dem Weltmarkt zu erwarten ist“, dass auch das Konsumverhalten bei Zucker rückläufig ist“. Kiepe charakterisierte das Unternehmen Nordzucker als gut aufgestellt, aber es müsse nun als Konsequenz rentabler arbeiten. Pilotprojekte der Nordzucker AG, die sich unter anderem mit kohlenstoffreduziertem Stickstoffdünger oder Dieseleinsparungen beim Rübenanbau und -transport beschäftigen, könnten ebenso helfen. Die in der Einführung befindliche Plattform „CropConnect“ für die Kommunikation zwischen allen Partnern werde das veraltete AgriPortal zur neuen Saison ablösen, sagte Kiepe. Cord Linnes, Geschäftsführer des ZAV, sprach danach über das Auf und Ab auf dem Weißzuckermarkt. Er erinnerte die Rübenanbauer bis zum 1. Februar bei Bedarf den Überrübenvortrag anzumelden. Linnes verglich zudem Kosten und Erlöse beim Rübenanbau, welche durch hohe Aufwendungen für Düngung, Energie und Pflanzenschutz wenig Spielraum böten. Hinzu kämen Risiken durch die Witterung und politische Entscheidungen.

Heinrich Otte, Vorstandsmitglied im Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.,

erläuterte, dass man zu Zugeständnissen bei den Verhandlungen mit Nordzucker um den Rübenpreis bereit wäre, aber auch Forderungen zu Einsparungen bei Nordzucker stellen werde. Dr. Lars Gorissen dazu: „Rübenanbau nur mit Fabrik und Fabrik nur mit Rübenanbau“.

Man werde sich einigen, so die einhellige Meinung.

Björn Kiepe, Dr. Lars Gorissen,Heinrich Otte ,Meike Bluhm, Cord Linnes, und Harm-Henning Wolters im Präsidium

Johannes Hausmann vom „Julius Kühn-Institut“ in Braunschweig hielt einen Vortrag über die Schilf-Glasflügelzikade und die von ihr übertragenen Krankheiten Stolbur und das sogenannte SBR-Syndrom. Verursacht werden die Krankheiten durch Bakterien über Stiche der Zikade auf Zuckerrüben, Kartoffeln, Kartoffeln und Gemüse. Die Zikade breitet sich zunehmend aus und das Institut forscht an dem Risikothema unter anderem mit einem bundesweiten Monitoring an 900 Standorten und einem 2024 angelaufenen Modellversuch in der Elbaue auf 2300 Hektar mit 23 beteiligten Landwirten. Es gibt erste Ergebnisse, dass zum Beispiel auf leichten Böden der Befall nicht so groß ist, dass es oft Doppelinfektionen gibt, dass der Einsatz von zum Teil nur notfallzugelassenen Insektiziden eine Möglichkeit ist, die aber Grenzen hat. Monitoring, Ertrags- und Qualitätsauswertungen, Versuche mit Weizenbeizungen, Fruchtfolgeumstellungen sowie Sortentestungen laufen weiter. „Wir müssen weiter Daten sammeln und weitere Versuchsjahre abwarten“, so Hausmann. Seine Empfehlung an die Landwirte ist die Schwarzbrache um den Lebenszyklus der Zikade zu unterbrechen. Also Mais nach Zuckerrüben sei besser als Weizen nach Zuckerrüben.

Die Landwirte aus dem Publikum stellten den Rednern noch viele, auch sehr direkte Fragen, die nicht alle beantwortet werden konnten, weil die Zukunft der Zuckerrübe von vielen Faktoren abhängt, die zum Teil auch in den Händen der Politiker liegen. Für die Landwirte in der Region ist die Zuckerrübe ein sehr wichtiger Teil der Fruchtfolge, die gewonnenen Rübenschnitzel sind ein begehrtes Viehfutter und der erzeugte Zucker ist als regionales Lebensmittel ein natürlicher Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.

 

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