Allgemein-Ländlicher Raum

„Wer die Bäuerin nicht ehrt“

Landwirtschaftliches Leben in Sachsen-Anhalt von 1945 bis heute

Führung durch das Börde-Museum Burg Ummendorf unter Leitung von Dr. Nadine Panteleon

Angefangen mit den Themen um die Aufbauarbeit nach dem Krieg, die Kollektivierung und über die LPG-Zeit in der DDR bis zur jetzigen Situation der Bauersfrauen diskutierten vor Kurzem erfahrene Frauen aus Ost und West in einer Podiumsdiskussion in Ummendorf. Mit einem sehr lebhaften Publikum wandelte sich die Podiumsrunde unter der Moderation der Historikerin Dr. Jessica Bock später zu einer tiefgreifenden Diskussion. Die eigentliche Podiumsdiskussion bestritten die Agraringenieurin Steffi Trittel, die Autorin Uta Ruge und die Historikerin Dr. Christel Panzig.

Man traf sich zuerst zu einer Führung im Bördemuseum Burg Ummendorf, welche von Dr. Nadine Panteleon geleitet wurde. Die kleine Runde zeigte sich beeindruckt von den Räumen, den Exponaten, ihrer Geschichte, den Sonderausstellungen und den Angeboten zur Museumspädagogik.

Anne-Marie Keding, Vizepräsidentin des Landtages von Sachsen-Anhalt, versuchte sich mit Holzbausteinen an einem Sandsteinportal

Nach dem Rundgang ging es im Versammlungssaal des Museums los, in welchen noch etliche Interessierte dazu kamen. Dr. Panteleon eröffnete die Zusammenkunft und die Bundestagsabgeordnete Dr. Franziska Kersten, begrüßte per Videoschaltung die Gäste. Anschließend sprach Johannes Beleites, der Aufarbeitungsbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, über seine Arbeit. Er wies unter anderem auch auf Folgetermine hin, denn diese Podiumsdiskussion war die erste von insgesamt vier geplanten Zusammenkünften, welche das landwirtschaftliche Leben in Sachsen-Anhalt von 1945 bis heute beleuchtet: Am 5. Juni findet im Dorfgemeinschaftshaus Tanne eine Veranstaltung zum Themenschwerpunkt „Wie halten wir das Tier? Fleisch- und Milchproduktion im Wandel der Systeme“ statt. Am 18.September lautet das Thema im Grenzmuseum Böckwitz-Zicherie in Klötze „Die Grenze beackern- Landwirtschaft an der ehemaligen innerdeutschen Grenze“. In der Stiftung Schulpforta in Schulpforte geht es am 12. November um „Land gewinnen-Kulturlandschaft vs. Landwirtschaft im Raum Naumburg“. Das Rahmenprogramm beginnt bei all diesen Terminen, um jeweils 16.30Uhr und die Podiumsrunden jeweils um 18 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Agraringenieurin Steffi Trittel, die Autorin Uta Ruge, Moderatorin Dr.Jessica Bock und die Historikerin Dr. Christel Panzig

Dr. Robert Grünbaum von der Bundesstiftung Aufarbeitung dankte dem Museum für den besonderen Veranstaltungsort, der auch die individuelle Lebensweise in den verschiedenen Zeiten abbilde. Er sprach über die starke DDR-Agrarpolitik, deren Gestaltung immer noch nachwirke, zum Beispiel in den großen Strukturen und weniger reinen Familienbetrieben hier. Grünbaum erwähnte zudem den großen Bruch in den Jahren nach 1989, der auch viele in der Landwirtschaft Tätige arbeitslos gemacht habe, aber dadurch neue Möglichkeiten eröffnet hätte. „Landwirtschaft war und ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftssektor, sondern produziert Lebensmittel“, sagte Grünbaum bestimmt. Er resümierte allgemein: „Die Vergangenheit wirkt in der Gegenwart nach.“

Das aktiv beteiligte und sehr interessierte Publikum

Diesem Motto folgend besprachen die vier Damen im Podium ihre Sicht auf die Dinge, wobei die Moderatorin, Frau Dr. Bock, gezielt Fragen stellte, die nicht immer ein einheitliches Bild ergaben: Hat man es selbst erlebt oder hat man später Menschen dazu befragt; Erinnerungen sind manchmal unscharf, Zusammenfassungen, Verallgemeinerungen nicht immer segensreich. Das Publikum, darunter auch junge Landwirtinnen, erzählten zwischendrin von ihrem Leben jetzt. Es ging um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, damals und heute, allgemein um persönliche Lebenserfahrungen. Auch hier zeigten sich die verschiedenen subjektiven Wahrnehmungen der eigenen Rolle in Familie und Betrieb. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurden diese spannenden Diskussionen in Grüppchen bei einem kleinen Imbiss weitergeführt.

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