Allgemein-Tierhaltung

Geflügelpest – Die Sorgen eines Hühnerhalters 

Freiheitsentzug für 900 Hühner in Mobilställen

Noch schauen die Hühner durch das Gitter des mobilen Hühnerstalls auf die Wiese vor dem Wagen. In den nächsten Tagen dürfen sie vielleicht wieder raus, denn die Allgemeinverfügung des Landkreises Börde zum Schutz vor der „Avinären Influenza“, wie die Vogelgrippe oder Geflügelpest richtig heißt, wurde nach rund vier Wochen aufgehoben. Die Stallpflicht ist damit aufgehoben. Aber ganz so einfach ist die Sache bei 900 Hühnern nicht. „Das Risiko bleibt hoch, denn die Wildvögel sind ja immer noch unterwegs“, sagt Markus Stottmeister, der in Bösdorf 900 Legehennen in drei mobilen Hühnerställen auf drei Hektar Wiese am Drömling hält. Er müsste jetzt, um das Risiko einer Ansteckung auf den Wiesen durch abgelegten Wildvogelkot zu vermeiden, Branntkalk ausstreuen. Das Kalken bekämpft aber nicht nur die Vogelgrippe Vieren, sondern dient generell als der Flächenreinigung, wie zum Beispiel von Parasiten-und Wurmbefall. Danach könnten seine Hühner nach einigen Tagen wieder raus.

Die „Avinäre Influenza“ droht alljährlich mit den durchziehenden Wildvögeln auf in Gefangenschaft gehaltenes Geflügel überzugreifen. Der Virus „H5N1“ führt bei den Vögeln zum Tod und breitet sich enorm schnell aus.

Was ist also, wenn plötzlich wieder Stallpflicht angeordnet würde. Stottmeister: „Da habe ich Angst, wenn ich nach kurzer Zeit wieder den Schritt zurück machen müsste. Den Stress würde ich meinen Hennen nicht noch einmal zumuten.“ Die Entscheidung des Landkreises kam auch für ihn sehr plötzlich und nun versucht der junge Mann bei den Landhändlern Kalk zu ordern, was gerade nicht der gängige Artikel im Sortiment ist. Stottmeister muss abwägen: „Ich habe jetzt einen Händler gefunden, der teure 25Kg-Säcke anbietet und sofort liefert der auch nicht. Aber die drei Hektar müssen gekalkt werden, jetzt. Ich denke, ich werde das Risiko eingehen müssen und lasse die Hühner wieder auf die Fläche.“ Vorher will er noch die drei Hühnermobile auseinanderziehen, denn sie standen über die vier Wochen Stallpflicht wegen der Arbeitswege dicht zusammen.

Für den Chef des Nebenerwerbsbetriebes „Bösdorfer Freilandeier“, der 2021 mit der Hühnerhaltung begann, war die plötzliche Stallpflicht, die der Landkreis Ende Oktober anordnete, das erste Mal, dass er seine Hennen einsperren musste. Rund vier Wochen waren die Tiere jetzt nicht an der frischen Luft. Die normale Hygiene vor und nach dem Betreten der Ställe und das Ausmisten der Hühnermobile musste noch sorgfältiger durchgeführt werden. Lüftung, Wasser, Futter, Licht von 6 bis 20 Uhr führen in den mobilen Hühnerwagen zu einer kontinuierlichen Legeleistung von rund 750 Eiern pro Tag, auch ohne Auslauf. Aber der Drang zur Beschäftigung muss ausgeglichen werden, wenn die Hühner nicht auf den Wiesen herumpicken können. Picksteine, Heunetze, Strohpellets in einem extra angedockten Wagen mit „Turngerüst“ und großer Auslauffläche konnten die Hühner vom Picken an den Kolleginnen abhalten. „Das würde im Extremfall zu Kannibalismus führen“, sagt der Fachmann, der sich vom Bundesverband Mobile Geflügelhaltung e.V.  gut beraten fühlt und mit Kollegen aus dem nahen Niedersachen Erfahrungen tauscht. Eigentlich hätte Stottmeister nur höchstens 750 Hühner. Er verkauft die Hühner mit 12 bis 14 Monaten als Legehennen an Privatleute. Aber auch der Handel mit Geflügel ist wegen der Vogelgrippe verboten gewesen. Auch Junghennen, die mit 18 Wochen langsam an die Haltung mit den Tageslichtlampen gewöhnt werden, konnte der Geflügelhalter auf Grund der Unsicherheiten nicht bestellen. Zum November war der Kauf von 330 Junghennen geplant. Zu Weihnachten wird Stottmeister die Eier gut los aber im Januar lässt das nach; aber die vielen Hühner legen weiter.

„Ich weiß nicht, was im Januar wird“, beschreibt der junge Mann seine Lage. Er kann die Hennen ohne Verluste nicht weiter in den Wagen lassen, nachdem die Stallpflicht aufgehoben wurde. Dann würden aus den Freilandeiern Bodenhaltungseier.

Die „Lohmann Brown“ legen braune Eier und die und „Leghorn“ weiße. Die Zehner- Eierkartons mit der grünen Banderole „Bösdorfer Freilandeier“, enthalten immer fünf braune und fünf weiße- das Markenzeichen. Das Paket enthält alle Eiergrößen ab 53 Gramm. Die Freilandeier kosten pro Stück 35 Cent. Stottmeister sammelt, verpackt, verteilt und verkauft mit Familie und Freunden die Eier an verschiedenen Standorten: Zwei Verkaufshäuschen mit einer „Kasse des Vertrauens“ und zwei Verkaufsautomaten. Zudem kann man die Packungen bei zwei Fleischereien in Oebisfelde-Weferlingen und Wegenstedt
und in der Bäckerei in Calvörde sowie auf einigen regionalen Märkten unter dem Dach der „Regionalmarke Drömling“ kaufen.

Nachsatz von Markus Stottmeister am Montag nach der Aufhebung der Stallpflicht: „Wir haben die Hühner jetzt ohne Behandlung der Fläche rausgelassen. Wir haben lediglich den Auslauf auf Rückstände wie Kot abgesucht, weil wir den Kalk nicht so schnell bekommen können. Jetzt heißt es hoffen, dass nichts passiert. Aber den Hühnern ist schon nach dem Wochenende mit Auslauf ein ruhigeres Gemüt anzumerken. Sobald wir den Kalk haben, wird er ausgebracht.“

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