Stark zuckerhaltige aber schmächtige Rübchen

Die Zuckerfabrik Klein Wanzleben wirft Ende September den Riemen auf die Orgel

Die durchschnittliche Rübe in diesem Jahr ist klein, wiegt etwa 400 Gramm und hat einen sehr hohen Zuckergehalt von 20 Prozent – keine Masse aber dafür Zucker (Siehe Foto). In ihrer gesamten Wachstumsphase über fünf Monate erhielt sie insgesamt nur 30 mm Regen (30 Liter pro Quadratmeter). Das ist auch der Grund warum sich die Rübenminiermotte stark verbreiten konnte. Sie zerfrisst den Blattkopf und ihr Kot führt zu Fäule. Eine vitale Rübe könnte das überstehen aber nicht die abgezehrten „eingeschlafenen“ Rübchen von 2018 (Siehe Foto).

Das gesamte Ertragsdefizit auf die letzten fünf Jahre wird in unserer Region auf 25 bis 35 Prozent geschätzt.

Das Roden wird schwierig werden, wenn die Kampagne im Nordzuckerwerk Klein Wanzleben in etwa zwei Wochen beginnt. Weil der Boden sehr hart ist, brechen die Rüben ab und die kleineren fallen durch den Roder auf den Acker zurück. Hier könnten schon 5mm Regen helfen, um wenigstens den Boden anzufeuchten. Würde es in den nächsten Tagen richtig regnen, fingen die Rübenblätter wieder an zu wachsen. Das ginge aber wieder auf Kosten des Zuckergehaltes. Die Rodetechnik kann an die Rübchengröße angepasst werden, aber nur ein wenig, weil dann die Reinigung von Erde nicht mehr so gut funktioniert. Die Ernte wird sehr schwierig werden und die Verluste hoch.

In der Pressemitteilung von Nordzucker heißt es hierzu: „Die extreme Trockenheit führt zu einem späteren Kampagnestart in den Werken und lässt in diesem Jahr regional große Unterschiede bei der Ernte erwarten. Insgesamt rechnet Nordzucker mit unterdurchschnittlichen Erträgen. Die Kampagne endet im Januar 2019.“…

„Nach einer etwas verspäteten Aussaat hatten die Rüben zunächst bei warmer Witterung Fahrt aufgenommen und den leichten Wachstumsrückstand wettgemacht. Allerdings blieben die Niederschläge während des Sommers vielerorts fast vollständig aus. Besonders betroffen vom ausbleibenden Regen waren Teile der Anbauregionen in Dänemark, Schweden und Polen sowie in Deutschland. Hingegen konnten sich die Zuckerrüben in der Slowakei und Litauen unter guten Bedingungen mit ausreichend Niederschlägen zufriedenstellend entwickeln. Proberodungen in allen Ländern zeigen bisher sehr große regionale Unterschiede hinsichtlich der zu erwartenden Erträge. Dies erschwert Prognosen erheblich.“

„Getreide, Raps, Kartoffeln, alles schlecht in diesem Jahr und jetzt muss auch bei der Rübe mit enormen Ertragsdefiziten gerechnet werden“, fasst Urban Jülich, Vorsitzender des Bauernverbandes „Börde“ e.V. die prekäre Lage zusammen und ergänzt: „Die Bauern im Land stehen vor großen Hürden nach der diesjährigen Erntesaison. Zudem wird sich die Lage weiter verschärfen, weil die bis in die Tiefe trockenen Äcker schlecht bearbeitet werden können und zum Beispiel der Winterraps längst im Boden sein müsste. Aber der anhaltende Regenmangel lässt keinen Aufwuchs zu. Die Fruchtfolge ist somit eingeschränkt. Alternativen gibt es wenige. Aber Entscheidungen müssen bald getroffen werden. Allen Landwirten wird die Zeit knapp und vielen auch das Geld.“