Zwitschern auf dem Acker – Projektidee zur Artenvielfalt aus Holland soll nun in der Börde erprobt werden

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Urban Jülich, Henk Smith und Horst Blum beantworteten nach den Vorträgen noch Fragen der interessierten Zuhörerschaft. (von links)
Zwei Vorträge auf der Betriebsleitertagung in der vergangenen Woche im Ebendorfer Hotel „Bördehof“, organisiert vom Bauernverband „Börde“ e.V., ließen die etwa 60 anwesenden Chefs von Landwirtschaftlichen Betrieben der Region sichtlich aufhorchen. Ein Projekt zur Artenvielfalt aus Holland soll hier in der Börde als Modell übernommen werden.
Henk Smith von der Agrarischen Naturvereinigung Ostgroningen (ANOG) berichtete in Ebendorf über die Erfahrungen der dortigen Gebietskooperation. Es sei ein Beispiel zur Inspiration, sagte er. Smith erläuterte die regionale Abwicklung von Agrarumweltmaßnahmen durch Naturvereine mit den ortsansässigen Landwirten: Ökosystemleistungen werden auf regionaler Ebene entwickelt, verwaltet, begleitet und kontrolliert, sowie Rahmen und Prioritäten direkt von Bauern und Fachleuten der Naturvereine festgelegt. Mit diesen Vereinen wirken die Bauern im Projekt zum Beispiel dem rückläufigen Vogelvorkommen entgegen. Das Land wird so gestaltet, dass Ackervögel wieder bessere Bedingungen vorfinden. Dazu gehören unter anderem Winterstoppelfelder, Mähstreifen oder vogelfreundliches Getreide wie Buchweizen und Luzerne. Der niederländische Bauer und Repräsentant seines Standes sprach über Düngung, Mäuse als Greifvogelfutter, Gewässerqualitäten und vielem anderen, was der Artenvielfalt dient. Smith erläuterte anschaulich und unterhaltsam die Ergebnisse aus drei Jahren ANOG-Arbeit mit 360 Mitgliedern auf 120 000 Hektar Ackerland mit kleinen Feldern, vielen Hecken und ließ auch Schwierigkeiten nicht aus.
Als Gastredner sprach anschließend Horst Blum aus dem sachsen-anhaltinischen Landwirtschaftsministerium ebenfalls zum „Artenschutz auf neuen Pfaden“, der das Holländische Modell möglichst noch in diesem Jahr zur Herbstbestellung auf landwirtschaftlichen Flächen vielleicht im Drömling oder dem Hakel umsetzen möchte. Hierzu müssten sich schnellstens projektinteressierte Betriebe beim ihm im MULE, beim Bauernverband „Börde“ e. V. in Wanzleben oder der verbandseigenen Stiftung Kulturlandschaft, bei Dr. Jens Birger, melden. Die Stiftung hätte dann auch die fachliche Leitung der Maßnahmen inne, so die Vorstellungen der Beteiligten. Die Finanzierung des Projektes werde schnellstens auf die Wege gebracht. Auch hierbei bringen die Initiatoren der deutschen Modell-Umsetzung, der Vorsitzende des Bördebauernverbandes, Urban Jülich und der Geschäftsführer, Christian Apprecht, ihre Stimme ein.
Urban Jülich hatte die Landwirte auf der Tagung auf das interessante Thema eingestimmt, indem er über die kontrovers diskutierten Direktzahlungen der EU an die Landwirte einging: „Es ging früher um die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion um die Menschen sattmachen zu können und auch um Ausgleiche für benachteiligte Gebiete. Jetzt rückt immer mehr die Natur mit ihrer Artenvielfalt in den Blick aller“, so Jülich und hofft demnach auch auf viele Projekt-Mitstreiter.
Weiterhin führte der Vorsitzende aus:„Die schlechte Stimmung gegen die Bauern, die unter der Last von tausenden Gesetzen und Vorschriften wirtschaften, um gute Lebensmittel zu produzieren, ist kontraproduktiv.“ Schon jetzt hätten nur 37 Prozent aller Haupterwerbsbetriebe eine gesicherte Nachfolge. „Mit dem Ansatz den Bauern die Federführung zu überlassen, wie sie unter fachlicher Begleitung mehr für den Artenschutz tun können, geben wir dem bäuerlichen Berufsstand mehr Selbständigkeit zurück. Der Verantwortung für die Natur gerecht zu werden und aus eigenem Handeln heraus, gute Ergebnisse im Sinne einer in die Natur integrierten Landwirtschaft zu liefern – das macht stolz und ermuntert die nachfolgende Generation in unsere Fußstapfen zu treten“, ist sich Jülich sicher.

Kontaktdaten der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt / Dr. Jens Birger:
E-Mail: info [at] stiftung-kulturlandschaft-sachsen-anhalt.de
Tel. : 0173 / 9737069

Text und Foto: Barbara Ilse