10 Jahre Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt – ein Gewinn für Landwirtschaft und Artenschutz
Als mutige Tat beschrieb Steffen Pingen vom Deutschen Bauernverband (DBV) die Geldeinlage von acht Kreisbauernverbänden Sachsen-Anhalts zur Stiftungsgründung vor zehn Jahren. Damit nahm eine besondere Erfolgsgeschichte ihren Anfang, denn der Grundgedanke der Stiftungsarbeit ist, dass Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft zu bewahren. Pingen, Fachbereichsleiter für Umwelt und Nachhaltigkeit beim DBV, bezeichnete die Stiftung als Leuchtturm, Innovator, Reallabor, Mutmacher und Vorbild.
All das und noch viel mehr wurde vor kurzem auf der Burg Wanzleben beim Jubiläum der Stiftung herausgestellt. Rund 100 Gäste aus den Bereichen Politik, Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung waren der Einladung der Stiftung gefolgt. So konnte Jörg Claus, Vorsitzender des Stiftungsvorstands, in seiner Eröffnungsrede unter vielen anderen auch Umweltminister Sachsen-Anhalts, Prof. Dr. Armin Willingmann und Landwirtschafts-Staatsekretär Gert Zender begrüßen.

Jörg Claus, Vorstand der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt bei seiner Eröffnungsrede zum 10. Jubiläum der Stiftung am 17.3.2026 in Wanzleben
Das deutschlandweite Naturschutzprojekt F.R.A.N.Z., Kooperativer Naturschutz nach niederländischem Modell, Ackerwildkraut- und Feldhamsterschutz, Weidevielfalt, Produktionsintegrierte Maßnahmen wie Extensiväcker, die Wiederherstellung artenreichen Grünlands, Wegeplanung, Streuobstwiesenpflege sind nur einige der Aktivitäten der mittlerweile 12 festen Stiftungsmitarbeiter. Dr. Jens Birger hat 2016 mit ehrenamtlichem Engagement die Arbeit begonnen, ohne zu wissen, dass daraus mal eine Geschäftsführung werden würde. Er zog in seinem Vortrag Resümee über die vergangene Dekade: Sich um die Gemeinsamkeiten und Schnittstellen zwischen den oft im Spannungsfeld stehenden Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft zu kümmern, sei Grundlage aller Stiftungstätigkeiten. Dr. Birger sprach über die 17 laufenden und abgeschlossenen geförderten Projekte und über die mittlerweile fünf Kooperativen, die auf 1430 Hektar Maßnahmen umsetzen. Die Stiftung plante und setzte auf 725 Hektar Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen um. Es gibt 105 Kooperationen mit Landwirtschaftsbetrieben. Birger dankte allen, die am Erfolg der Stiftung beteiligt sind, besonders den Kreisbauernverbänden und dem Landesbauernverband als Stiftern, den Bauern und Schäfern, seinem Team, dem Vorstand, bestehend aus Jörg Claus, Prof. Dr. Sabine Tischew und Urban Jülich, den Amtsmitarbeitern, den Naturschutzverbänden und nicht zuletzt seiner Frau Dr. Antje Birger, die als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin tätig ist.

Übergabe des Fördermittelbescheids/von links: Urban Jülich (Vorstand Stiftung), Jörg Claus (Vorstand Stiftung), Prof. Armin Willingmann, Dr. Jens Birger (GF Stiftung), Prof. Sabine Tischew (Vorstand Stiftung)
Prof. Dr. Armin Willingmann hatte außer seinen anerkennenden Worten für die Arbeit der Stiftung einen Fördermittelbescheid aus seinem Ministerium über fast 750 000 € mitgebracht, der sogleich offiziell überreicht wurde. Dass Landwirtschaft und Naturschutz hier so zusammenarbeiteten, bezeichnete der Minister als „große Leistung aller Beteiligten“ und die vergangene Stiftungsdekade als „wundervolle Geschichte“. Prof. Willingmann betonte unter anderem, dass Sachsen-Anhalt seine Verantwortung für den Feldhamster auch durch die Arbeit der Stiftung wahrnehme und das Ackerwildkrautprojekt die Förderung von EU und Land bekommen habe, weil es eines der besten der eingereichten Projekte war. Es müsse, so der Minister, aber endlich ein Ende damit haben, dass Deutschland den Europavorgaben für Zahlungen immer noch eins draufsetze.
Staatsekretär Zender war vor zehn Jahren als Abteilungsleiter zur ersten Beiratssitzung der zu gründenden Stiftung eingeladen und begleitet sie bis jetzt. „Das könnte was werden“, dachte er damals, als er die große Chance in den gemeinsamen Gesprächen erkannte. Jetzt, so Zender, ist die Stiftung ein „verlässlicher Partner“ in Sachen Naturschutz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. „Sie hat im kooperativen Naturschutz bundesweit Vorbildfunktion und aus dem Naturschutzfachmann Dr. Birger ist ein Fördermittelexperte geworden.“ Zender endete mit einem Dank dem persönlichen und dem ehrenamtlichen Engagement.
Den Redeteil beschließend verglich Steffen Pingen die Stiftung mit einem Kind, das nun aus den Kinderschuhen heraus sei, wobei Naturschutz und Landwirtschaft auf Augenhöhe miteinander handelten. Pingen fasst zusammen: Die Stiftungsgründung ist besser für Naturschutz und Landwirtschaft, damit hochproduktive Flächen nicht einfach verloren gehen.“ Pingens Appel an die Landwirte: „Naturschutz kann zum Betriebszweig werden!“
Die Jubiläumsfeier wurde später bei einem geselligen Netzwerktreffen fortgesetzt; kleine und große Gruppen jonglierten mit neuen Ideen oder werteten Bewährtes aus.




Comments are closed