Zuckerrübenkampagne in Klein Wanzleben bis Mitte Januar
Thomas Seeger, der Vorsitzende des Zuckerrübenanbauerverbandes gibt einen Überblick
Die Zuckerrübe gedeiht besonders gut auf unseren satten tiefgründigen Bördeäckern. Hier ist die Anbau- und Verarbeitungsschiene geschlossen, denn die Klein Wanzlebener Zuckerfabrik, die zur Nordzucker AG gehört, verarbeitet alle Rüben der umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe zu Zucker und Dicksaft. Für die Bauern ist die Zuckerrübe sehr wichtig in der Fruchtfolge. Die Rübenblätter bleiben gleich bei der Ernte als Dünger auf den Feldern. Die Nähe von Anbau und Verarbeitung bis hin zum Ausbringen der Verarbeitungsreste wieder zurück auf die Felder der Rübenanbauer ist die günstigste Variante in Zeiten, in denen alles so ökonomisch und ökologisch wie möglich konzipiert werden muss.
Nach der Aussaat im März/April werden die Zuckerrüben, nachdem sie rund 180 Tage Sonne getankt haben, ab September geerntet. Jetzt lagern die geernteten Zuckerrüben bis zur Abholung am Feldrand in den so genannten Rübenmieten, die mit Planen abgedeckt, an den Feldrändern zu sehen sind.
Bis 16. Januar soll die diesjährige Kampagne, so nennt man die Verarbeitungssaison in der Zuckerfabrik, andauern. Gestartet wurde am 9. September. Thomas Seeger ist rübenanbauender Aktionär, Landwirt in Rottmersleben und zudem Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg e.V. gibt kurz vor den Feiertagen schon mal einen Abriss über die Rübensaison 2025: „Zwei Millionen Tonnen Zuckerrüben sind dann in 130 Tagen in der Zuckerfabrik verarbeitet worden. In diesem Jahr haben wir Landwirte durchschnittlich 69 Tonnen pro Hektar geerntet. Damit liegen wir knapp über dem zehnjährigen Durchschnitt. Der Zuckergehalt beträgt im Mittel 18,6 Prozent; das ist sehr gut“, resümiert Seeger. Einbußen durch die von der Glasflügelzikade übertragenen Pflanzenkrankheiten SBR und STOLBUR seien zum Glück nicht so stark aufgetreten wie befürchtet. Seeger schränkt ein: „Die ostelbischen Landwirtschaftsbetriebe haben da schon mehr Verluste als wir.“
Dass die Rüben in diesem Jahr beim Ertrag und dem Zuckergehalt so gut dastehen, liegt nach Seeger an dem flächendeckenden Regen im Juli: Es fielen 70 bis 100 Millimeter pro Quadratmeter. Insgesamt gab es 2025 in Rottmersleben nur 380 Millimeter Regen. Der langjährige Schnitt liegt bei 500; also ein recht trockenes Jahr. Aber es war vergleichsweise kalt. Die Rüben hätten in der Zeit viel Zucker gespeichert, erklärt Seeger.
Sechs bis acht Rüben benötigt man etwa für ein Kilo Zucker. Aber in der Fabrik wird der Dicksaft auch zu Bioethanol verarbeitet. Man fährt also zweizügig: Wenn die Industrie, der größte Abnehmer, mehr Zucker will, wird aus den Tanklagern mit Dicksaft Zucker in allerhöchster Qualität produziert. Wird Ethanol verlangt, dann wird in dem Bereich die Produktion hochgefahren. 17000 Tonnen Zuckerrüben werden von 800 Lastwagen jeden Tag herangefahren und verarbeitet. Vor Sonntagen wird die Rübenplatte vollgeladen, um das Sonntagsfahrverbot auszugleichen, noch mehr Rübentransporte. Die Fabrik darf nie stillstehen. Ein enormer Logistikaufwand den man hier und in den Speditionen betreibt. „Meisterhaft“, lobt Seeger.
Die Zuckerfabrik wurde in diesem Jahr mit Zuckerrüben aus Mecklenburg-Vorpommern per Bahn beliefert – ein Test, der sehr gut anlief. Andere Projekte, die über regionale Landwirte laufen, befassen sich mit Grünem Dünger, der mit erneuerbaren Energien produziert wird, mit nachhaltig erzeugtem Kornkali oder mit der Vergasung von Pressschnitzeln in Biogasanlagen. Aber die gute Ernte ist für die Zuckerrübenanbauer in den Hauptanbauländern Polen, Frankreich und Deutschland auch nachteilig, denn der Zuckermarkt ist voll und die Preise sinken. „Die Herausforderungen an die Landwirte bleiben bestehen, um eine auskömmliche Landwirtschaft zu betreiben“ sagt Seeger, „denn die Preise für die Kulturen fallen und die Betriebskosten steigen.“ Der Zuckerrübenanbau ist für eine gesunde Fruchtfolge von großer Bedeutung, das weiß ein jeder Landwirt. Und so sei das Interesse am Rübenanbau groß, sagt Seeger. Der engagierte Landwirt setzt sich dafür ein und drängt darauf, dass die Politik die Rahmenbedingungen für die heimische Produktion von Lebensmittel besser an die Gegebenheiten anpasst.






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