Bauernverband lud zum Polittalk im K6-Hotel in Halberstadt
Sieben Parteien mit ihren Kandidaten stellten sich kürzlich auf Einladung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt den Fragen des Moderators und des sehr zahlreichen Publikums. Dieses bestand aus Landwirten und Vertretern verschiedenster landwirtschaftlicher Organisationen, vor allem den Kreisbauernverbänden des Landes. Auch der Bauernverband „Börde“ war mit etlichen Vertretern vor Ort, um sich ein Bild von den Zukunftsplänen der zu wählenden Parteien zu machen.
Marcus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbands Sachsen-Anhalt, moderierte die Veranstaltung und stellte einige Fragen, die von allen Politikern ohne festgelegte Reihenfolge beantwortet wurden. Anschließend konnten Anwesende aus dem Publikum gezielt bestimmte Parteivertreter fragen, was ihnen am Herzen lag. Immer ging es um die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe im Land, die zurzeit, wie auch viele andere Branchen, mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen, hohem Bürokratieaufwand, niedrigen Erzeugerpreisen und sich daraus ergebender fehlender Planungssicherheit zu kämpfen haben. 
Was sind die Pläne ihrer Partei für die Zukunft der Landwirtschaft im Land? Was wollen sie nach der Wahl für uns tun? lauteten die einleitenden Fragen von Rothbart.
Der AFD-Kandidat Daniel Roi antwortete darauf unter anderem so: Die Landwirtschaft sei ein Feld, wo auf höherer Ebene entschieden werde. Er wisse um die stark gestiegenen Kosten. Roi nannte unter anderem die hohen Dieselpreise, die Tonnenpreise von Harnstoff, den Mindestlohn, den man den Landwirten nicht zumuten könne, allgemein die hohen Lohnnebenkosten. All diese Themen werden allerdings nicht in Magdeburg entschieden, sondern in Berlin und Brüssel, weshalb sein Ziel auch Wahlsiege dort seien. „Am 6. September stellen wir den Landwirtschaftsminister“ sagte er abschließend.
Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hatte konkrete Ziele. Zuallererst erwähnte er den zukünftigen GAP-Strategieplan, auf den seine Partei weiterhin stark Einfluss nehmen wird. Kappung und Degression lehne er strikt ab. Unter anderem erwähnte er auch die kürzlich erfolgte 70 Millionen-Investition in die Düngerproduktion in Piesteritz. „Der Dünger muss hier produziert werden“, konstatierte er. Weiterhin führte er den Baubeginn des neuen Lehr- und Versuchsstalls zur Milchviehhaltung in Iden an. Auch hier habe er gezielt Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt zukunftsfest gemacht.
Thomas Schulze (BSW) führte seinen erlernten Beruf als Koch an, bei dem er auf „die wertvolle Arbeit der Landwirte“ angewiesen war. Ihm sei es wichtig, dass die gute Qualität der deutschen landwirtschaftlichen Erzeugnisse abgesichert werde. Er erwähnte die Folgen der Energiepolitik, die zu Belastungen auch dieser Branche geführt haben. Auf seine Vorredner eingehend: „Alle sprechen von Entbürokratisierung“, sagte er, „aber keiner sagt, wie man da etwas ändern könne.“
Wenke Dargel (Die Linke) stellte zuallererst klar, dass unbedingt die neuen Energien ausgebaut werden müssten. „Auch die Stickstoffproduktion sollte hochgefahren werden“, betonte sie. „Wir müssen die Produktion vor Ort erhalten!“ Die derzeitige Agrarpolitik ausgerichtet auf den Weltmarkt hätte hier versagt, denn „unsere guten Standards sind nicht anerkannt“. Ihrer Partei geht es am Ende um faire angemessene Erzeugerpreise, fügte Dargel an.
Es folgte Dorothea Frederking von der Partei Die Grünen: Gutdurchdachte Planungssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven seien das Wichtigste für die Landwirtschaft im Land. Als Einnahmequellen für die Landwirte nannte sie Agri-PV für die eigene Energieversorgung. Die wiedereingeführte Agrardieselerstattung sei gut, aber eine Energiepauschale pro Hektar fände sie besser. Die GAP-Mittel müssten auch nach 2028 weiter fließen, betonte sie. Ihre Partei setzt sich ein für die Gemeinschaftsverpflegung mit regionalen Erzeugnissen. „Die Gründung von Erzeugergemeinschaften sind hierfür eine gute Lösung“ erläuterte die Fachfrau. 
Dr. Falko Grube (SPD) offenbarte, dass „die Landwirtschaft eine Herzenssache“ für ihn ist. Auch seine Partei lehne Kappung und Degression klar ab. „Das Geld haben sie verdient“, unterstrich er. Er werde sich für Beihilfen zur Digitalisierung in landwirtschaftlichen Betrieben einsetzen. Beim Bürokratieabbau setze er auf „Berichtspflichten mit Verfallsdatum“. Für seine Aussage „Der Wahnsinn in ihren Büros muss gestoppt werden!“ bekam er Applaus.
Lydia Hüskens (FDP) bezog sich auf die Aussagen von Sven Schulze zur GAP, denen sie voll zustimme. Auch für sie ist die Bürokratie ein „Hauptgegner“. Bezugnehmend auf die Landwirte: „Egal ob Kreisverwaltung, ALFF oder andere, ein Antrag muss reichen. Sie sollen die Daten nur einmal eingeben müssen.“
Viele andere Fragen auch aus dem Publikum folgten. Gegenseitige Seitenhiebe im Podium unterbrach Moderator Rothbart gekonnt konsequent. Und dem Publikum, wie immer bei solchen Wahlforen, bleibt es überlassen, das eigene Bild zu vervollständigen.


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