Ackerbau-Allgemein

Es ist trocken in diesem Herbst – nicht zu übersehen.

175 Hektar, 40 Tonnen vom Hektar, 10 Sorten, 15 Mitarbeiter und ein Roder – Die Kartoffelernte um Tundersleben bei den Erzeugerbetrieben der „Kartoffelaufbereitungs- und Handels GbR (KAH)“, hat begonnen. Philipp von Bodenhausen, Landwirt und im Betrieb zuständig für den Kartoffelanbau schätzt die Gesamternte 2026 auf insgesamt 7000 Tonnen. Von 70 Hektar sind die Kartoffeln schon gerodet. Die Erträge und Qualitäten sind in Ordnung. „In diesem Jahr bringen wir eine mittlere Ernte ein“, schätzt der Fachmann. Vier festkochende, vier vorwiegend festkochende und zwei mehligkochende Sorten werden nacheinander geerntet.

Überladen vom Roder auf den Traktoranhänger

Und so gibt es auf dem Gutshof in diesen Tagen ein emsiges Treiben. Menschen, Trecker mit und ohne Anhänger, Gabelstapler und Autos sind zwischen den Hallen und hohen Stapeln leerer Kartoffelgitterkisten unterwegs. Hier ist auch die große Waage, auf der die Traktoren mit beladenen Hängern gewogen werden. Der Platz wird auch von Kunden mit Anhängern genutzt. Zum Beispiel lässt sich der Kleintierzüchter Fritz Rode gerade einen Autoanhänger voll Futterkartoffeln mit dem Gabelstapler vollkippen. Er füttert damit Zuhause in Ostingersleben seine Hühner, Enten und Kaninchen. Das macht er schon seit zehn Jahren so und kommt mehrmals in der Saison auf den Kartoffelhof, um seinen Wintervorrat abzuholen. Andere suchen sich aus den Futterkartoffeln, die aussortiert in Kisten vor der Halle stehen, die Besten raus. Die nächsten laden sich Kartoffeln in einem abgepackten Netz in den Kofferraum. Auch auf dem abgeernteten Acker sind immer mal wieder Leute mit Beuteln unterwegs und stoppeln Kartoffeln nach, berichtet von Bodenhausen. Direktvermarktung heißt aber vor allem Sortieren und Verpacken. Dafür stehen langjährige Saisonkräfte aus Lettland an der kleinen Sortieranlage. 12,5-Kilosäcke für den Wintervorrat kann man direkt vom Hof in Tundersleben holen. Die kleinen 2,5-Kilotüten gehen an Supermärkte wie Rewe und Edeka zum Beispiel in Haldensleben, Wanzleben, Wolmirstedt oder Magdeburg.

Philipp von Bodenhausen schaut sich seine Kartoffeln genau an

Auf der großen Sortieranlage in der Halle nebenan werden nach dem Aussondern von Drillingen (kleinen Kartoffeln), Steinen, Erde und kaputten Kartoffeln über etliche Förderbänder die guten Kartoffeln in Gitterboxen für die Lagerhalle gefüllt. Die Sortierkräfte am Band arbeiten hier, wie alle „Kartoffelhelden“ im Betrieb, in zwei Schichten. Hier schaut der 35-Jährige Landwirt noch einmal kritisch auf das Förderband, sucht sich einzelne Knollen raus; untersucht sie unter anderem auf kleine Beschädigungen durch große Erdklumpen. „Wir haben lange auf den großen Regen gewartet, der die Kluten weich gemacht hätte. Mal so eine kleine Husche reicht da nicht, aber es kam ja seit langem nichts mehr vom Himmel und so sind wir seit dem 14. September in Gange; hilft ja nichts. Der Roder ist da, wo die Staubwolke treibt“, illustriert von Bodenhausen das große Problem aller Landwirte in diesem Jahr.

An der großen Sortieranlage werden kleine Kartoffeln automatisch sondiert. Erdklumpen, beschädigte und unförmige Kartoffeln werfen die Mitarbeiter am Band in Extrakisten

Im Nacken sitzt dem Landwirt noch eine andere Thematik: Die von der Schilf-Glasflügelzikade übertragenen Krankheiten Stolbur und SBR drohen außer den Zuckerrüben auch der Kartoffel. Sie können zu Ertragseinbußen, Qualitätsverlusten und sogenannten Gummiknollen führen. Von Bodenhausen hat das im Blick und Maßnahmen ergriffen: Tiefe Bodenbearbeitung nach Rüben und Kartoffeln, Fruchtfolgeanpassungen wie Sommerungen nach den Hackfrüchten und passende Insektizide. „Wenn alle Landwirte ebenfalls solche Maßnahmen ergriffen, wäre das sehr hilfreich bei der Bekämpfung“, unterstreicht von Bodenhausen, der in diesem Jahr keine Zunahme des Befalls festgestellt hat. „Hoffentlich bleibt das auch übers Jahr im Lager so“, fügt er hinzu.

Die große Kartoffellagerhalle fasst 6800 Tonnen Kartoffeln, die hier bei 4,5 Grad Celsius lagern bis sie zum Verpackungsbetrieb gehen

Insgesamt dauert die Kartoffelernte bei der „Tolle Knolle GbR“, wie die Maschinengemeinschaft der Erzeugerbetriebe heißt, bis Ende Oktober. Die Lagerhallen fassen 6800 Tonnen. Hier lagern die Kartoffeln bei 4,5 Grad Celsius. Bis Mai/Juni gehen täglich zwei LKW-Ladungen von hier aus an Packbetriebe, die die Knollen waschen, in Netzbeutel verpacken und in den Handel bringen. Kluten und Erde geht zurück auf den Acker. Drillinge werden noch einmal sortiert und extra vermarktet. Beschädigte Kartoffeln gehen in die Biogasanlage. Außer Kartoffeln werden noch Gerste, Weizen, Triticale, Zuckerrüben, Mais, Erbsen, Raps im Betriebsverbund angebaut.

 

Information: Regionale Kartoffeln aller Sorten gibt es montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr im Hofverkauf. Adresse: Zum Gut 1 in Tundersleben.

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