
Blick auf Haldensleben: links die Baustelle der Ortsumfahrung Wedringen, das Glaswerk und der Otto-Versand.
Flächenfraß hat viele Gesichter
Die Ausdehnung von Siedlungs- und Verkehrsflächen oder die großzügige Ausweisung neuer Gewerbegebiete lässt viele Hektar Ackerböden unter Asphalt und Beton verschwinden, nimmt den Landwirten stückweise die Existenzgrundlage und Flora und Fauna den Lebensraum. Letzteres wird im Zuge der Bauprojekte durch naturschutzfachlichen Ausgleich kompensiert, meistens in Form von Anpflanzungen auf Acker. Dadurch fühlen sich betroffene Bauern doppelt geschädigt.
„Vor gut 30 Jahren, nach der Wende, waren Bürger und Politik froh über jede Industrieansiedlung“, erzählt Andreas Bonstedt vom Klostergut Haldensleben. Das war auch die Zeit, wo sein Betrieb knapp 20% seiner Anbaufläche verlor zugunsten vieler Arbeitsplätze im Glaswerk oder beim Ottoversand. Doch mit der Entwicklung der Gewerbegebiete hatte der Flächenentzug noch kein Ende gefunden, wurde doch in den Folgejahren der Mittellandkanal verbreitert, sind neue Wohngebiete um den Ort herum entstanden oder wird aktuell die Ortsumfahrung von Wedringen gebaut. Zusammen mit den Ausgleichsmaßnahmen sind allein hier etwa 200 Hektar Ackerland verschwunden.
Vor allem um die Ballungszentren wird es für Natur und Bauern eng

Andreas Bonstedt und sein Sohn Alexander schauen auf die Karte zur Ortsumfahrung Wedringen und bilanzieren die Flächen, die bisher für Gewerbegebiet, Kanalverbreiterung oder Ausgleichsmaßnahmen verloren gegangen sind.

Die Planzeichnung zur Ortsumfahrung Wedringen zeigt, wie viel Fläche für Straßenkörper und Ausgleichsmaßnahmen (markiert mit LSBB) beansprucht wird.
Es gibt bessere Lösungen
Für die Kompensation der Eingriffe in die Natur hält die Landwirtschaft inzwischen bessere Lösungen vor und setzt sie im Rahmen von Bauvorhaben um. Die Pflege vernachlässigter Biotope, die Anlage von Extensiväckern oder Feldlerchenfenstern bieten beispielsweise Möglichkeiten, wo die Fläche der Landwirtschaft nicht verloren geht. Wichtig ist, die Maßnahmen mit den Landwirten vor Ort zu planen, denn auch hier gibt es schlechte Beispiele. Das Land hat besten Weizenacker bei Zielitz gekauft und wandelt den nun in Grünland um. Damit die neuen Wiesen einen Artenreichtum entwickeln und behalten, müssen sie aber aktiv bewirtschaftet werden. Doch in der näheren Umgebung haben sich die Landwirte aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit und der zunehmenden Einschränkungen durch immer neue Gesetze von der Rinder- und Schafhaltung verabschiedet. Schon jetzt gelingt es nicht die vorhandenen Wiesen in der Elbaue so zu nutzen, dass dort artenreiches Grünland gepflegt wird.
Andreas Bonstedt, der auch Vorstandsmitglied des Bauernverbandes „Börde“ ist, weist auf die globale Dimension unserer Entscheidungen hin. „Jeder Quadratmeter, der hier aus der landwirtschaftlichen Produktion verschwindet, wird andernorts der Natur entrissen. In Südamerika wird aktuell im Rekordtempo Urwald gerodet. Das ist auch eine Folge von Flächenentzug und fortschreitender Ökologisierung in Deutschland.“
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