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Kooperationsprojekt Brücken für den Feldhamster

Fachaustausch zum Feldhamster

Der Feldhamster bevorzugt landwirtschaftlich genutzte Flächen. Für das Leben des kleinen Nagers in Gängen unter der Erde eignen sich besonders die hochproduktiven Löß- und Lehmböden zum Beispiel hier in der Börde. Das führt zu Konflikten mit der Landwirtschaft und so ist der rund 30 Zentimeter große Geselle von einem extremen Schadnager und einer typischen Art der Agrarlandschaft zu einem vom Aussterben bedrohten Tier geworden. Durch sein meist unterirdisches Treiben führt er zwar ein Leben im Verborgenen, sein drastischer Rückgang ist mittlerweile jedoch besorgniserregend. Hauptursachen für den Rückgang der Hamsterzahlen sind die Veränderungen in unseren Kulturlandschaften. Die Landwirtschaft wurde effizienter, engere Fruchtfolgen und größere Feldblöcke sind ebenso Ursachen für den Rückgang der Feldhamsterzahlen wie Veränderungen im Klima. In den langen Dürreperioden der letzten Jahre finden die Hamster schlichtweg keinen Tropfen Wasser mehr.

Es muss daher darum gehen, landwirtschaftliche Nutzung und Feldhamsterschutz miteinander zu verzahnen. Viele Projekte unterstützen den Hamsterschutz.

Aber wir haben noch keine Maßnahme gefunden, wo wir sagen können, das funktioniert jetzt und auch in fünf Jahren noch“, sagte kürzlich René Sollmann von der Stiftung Lebensraum Thüringen e.V. auf einem Fachaustausch zum Thema „Schutz des Feldhamsters“.

Grußworte und inhaltliche Begleitung durch StS Eichner, MWU

Zu diesem Treffen hatten die Kooperationspartner Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, der Landschaftspflegeverband Grüne Umwelt e. V. (LPV) und der BUND Sachsen-Anhalt ins Bürgerhaus Wellen (Hohe Börde) eingeladen. Landwirte, Vertreter verschiedener Umwelt- und Naturschutzverbände sowie aus den zuständigen Fachbereichen der Behörden und Ämter waren der Einladung gefolgt. Besonders begrüßt wurden auch Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und dort zuständig für Klimaschutz und Umwelt sowie Anke Busse, Referentin im sachsen-anhaltinischen Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Sie ist dort zuständig für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen.

Nach verschiedenen Vorträgen, die Projekte und Maßnahmen zum Feldhamsterschutz zum Thema hatten, entwickelte sich eine rege Diskussion, „denn Natur- und Artenschutzschutz ist eine gesellschaftliche Aufgabe und muss von allen getragen werden, nicht nur von den Landwirten, die Ertragseinbußen und Flächenverlust aufgrund von Naturschutzmaßnahmen hinnehmen“, so Urban Jülich, Landwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes „Börde“ e. V. .

Der Feldhamster weist in Sachsen-Anhalt das noch flächengrößte Vorkommen in Deutschland auf und um diesen Bestand zu halten und zu fördern, haben die Kooperationspartner Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, der BUND Sachsen-Anhalt und der LPV Grüne Umwelt im Rahmen des Projektes „Brücken für den Feldhamster“ die Kartierung vorhandener Hamsterbaue in Angriff genommen und unterschiedliche Maßnahmen in Landwirtschaftsbetrieben in Börde und Vorharz erprobt. Anne Hecht (BUND) und Irene Hoppe (LPV) sprachen in ihrem Vortrag über Erfahrungen mit einfacher Ährenernte, über teilweisen Ernteverzicht, hamsterfreundliche Zwischenfrüchte, Untersaaten im Mais und Winterweizen. Deckung und Nahrung seien in der aktiven Phase von größter Bedeutung für den Feldhamster, so Hoppe.

Anne Hecht (BUND) (r.) und Irene Hoppe (LPV) (l.)

Christian Apprecht von der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt zeigte in seinem Bericht über den Kooperativen Naturschutz auf, dass langfristige Lösungen nach einem Naturschutzfachplan, die dem Schutz von Feldlerche, Rotmilan, Ackerwildkräutern und Insekten dienen, auch dem Feldhamster zugutekommen. Dr. Jens Birger, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, ergänzte mit produktionsintegrierten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die ebenfalls dem Hamster guttun. Kay Brüggemann, Landwirt in Mammendorf, seit 1998 im Hamsterschutz aktiv & Herr über drei Hamstermutterzellen, ergänzte die Ausführungen mit praktischen Darstellungen.

Matthias Haase vom LPV setzt auf die Kombination der verschiedenen Akteure und ihre unterschiedlichen Projekte. Um die vorhandenen Wissenslücken zum Vorkommen der Art zu schließen, empfiehlt er bei der Kartierung von Hamsterbauen den Einsatz speziell ausgerüsteter Drohnen, welcher im Projekt CRIFORA erfolgversprechende Ansätze für eine zeit- und kosteneffiziente Erfassung geliefert hat.

Matthias Haase vom LPV Grüne Umwelt stellte das vielversprechende Projekt CRIFORA vor

Den Feldhamsterschutz in Thüringen beleuchtete René Sollmann, der sich bereits seit 20 Jahren mit dem Feldhamster beschäftigt. Das Modellfeld in Bindersleben hätte gezeigt, dass Stoppelbrachestreifen, höchstens 110 Meter breit, mit einer Stoppelhöhe von 20 Zentimetern, Feldhamstermischungen, ultraflache Bodenbearbeitung, Untersaaten und der Einsatz des Strohstriegels dem Hamster helfen. Sollmann bewies das mit genauen Zahlen über Hamsterbaue. Er hätte zudem beobachtet, dass viele Feldhamster aufgrund der Wärme manchmal erst im Dezember in den Winterschlaf gehen. Auch das müsse man bei zukünftigen Planungen zum Hamsterschutz beachten.

Urban Jülichs Einwurf, dass wenn man Hamster fördere, auch die Mäusepopulation anwachse und daraus folgend auch die Möglichkeit bestehen muss, diese zu bekämpfen, führte zu Diskussionen mit Naturschutzvertretern.

Interessante Erfahrungen & Impulse präsentierte René Sollmann von der Stiftung Lebensraum Thüringen e.V.

Naturschützer, Landwirte, Verwaltung, und Politik sollten nun gemeinsam weiter in die eingeschlagene Richtung arbeiten, die Gesellschaft auch für diesen kleinen Nager, der auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten gelandet ist, zu sensibilisieren und den Landwirten Ertragseinbußen ausgleichen, wenn diese Artenschutz betreiben.

Der Feldhamster ist selbst ist ein gutes Beispiel für das Nichtaufgeben, denn wenn er unter Druck gerät, greift das kleine Tier sogar riesige Traktorreifen an.

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