Ackerbau-Allgemein

„Heute noch den Roggen hier, dann noch 5 Hektar Triticale und 14 Hektar Weizen. Hoffentlich bleibt es jetzt trocken, dann sind wir Mittwoch endlich fertig mit der Ernte.“

Arne Behrens hat sie rechtzeitig gesehen und fährt ganz vorsichtig durch den letzten Streifen Roggen, in dem sich zwei Rehkitze versteckten und dann die Flucht ergreifen

Rund vier Wochen haben die beiden Wegenstedter Landwirte, Vater Martin Behrens und Sohn Arne Behrens, mit der diesjährigen Ernte verbracht. Immer zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Regen und oft zu kurzen Sonnenstunden. Vom überreifen Weizen sind ihnen beim letzten Guss rund zwei Hektar „abgesoffen“. Es ist nicht leicht in diesem Jahr, aber Bauern wissen, dass die Natur eben so ist, wie sie ist. Martin Behrens freut sich über seinen doch guten Brotroggen und über das Stroh, welches er direkt aus dem frisch gelegten Schwad zu Ballen presst, während Arne den 18 Jahre

Der Schwad liegt bereit zum Pressen / Behrens ist zufrieden / Das Stroh ist trocken

alten, aber gut gewarteten Mähdrescher New Holland TX steuert. Hier auf dem 13,5 Hektar großen „Bärholz“ am Drömling werden rund 80 Ballen Stroh gepresst, der Rest wird gehäckselt und wieder in den Boden eingearbeitet. Die Behrens Gadau GbR benötigt das Stroh als Einstreu für die rund 80 Holstein-Friesian-Zuchtrinder, die als zwölf Wochen alten Tiere aus Niedersachsen in den Stall kommen und als tragende Kühe in die ganze Welt verkauft werden. Pro Jahr werden für die Rinder, die ausschließlich auf Stroh stehen, rund 300 Ballen mit 170/180 Zentimeter Durchmessern benötigt. Das heute ausgedroschene Roggenstroh ist jedenfalls schön gelb, die Ballen trocken, dicht und dementsprechend schwer. Noch am Abend werden sie ins Lager gebracht. Der Roggen geht gleich auf den bereitgestellten Zügen nach Calvörde in die Aufkaufstelle. Das macht Behrens Senior parallel zum Strohpressen. Auch das Umsetzen des Mähwerkes auf den einige Kilometer entfernten Triticale-Acker ist sein Job.

Arne Behrens drischt und Martin Behrens presst das Stroh in Ballen

„Arne und ich sind ein eingespieltes Team. Das klappt“, sagt der stolze Vater und fünffache Opa, dessen zwei kleinste Enkel gerade eingeschult wurden. „Es ist schon von Vorteil, dass wir in der Lage sind, alles selbst zu reparieren.“ Insgesamt bewirtschaftet die Firma, in dem die beiden Chefs die einzigen Mitarbeiter sind, 333 Hektar Acker, davon 50 Hektar Grünland. Auf rund 35 Bodenpunkten wuchsen in diesem Jahr 40 Hektar Raps, 40 Hektar Wintergerste, 60 Hektar Roggen, 5 Hektar Triticale und 90 Hektar Weizen. „Die Gerste hatte dieses Jahr keine gute Qualität; sie hatte ja auch von Ende April bis in den Juni hinein keinen Regen“, resümiert Behrens. 5,5Tonnen pro Hektar (t/ha) betrug die durchschnittliche Erntemenge bei der Wintergerste, die als Braugerste verkauft wurde. Beim Raps, der noch mehr unter dem Wassermangel litt, lag der Ertrag bei 2,7t/ha. Roggen lag bei 4,5t/ha, Weizen bei 6,5t/ha.

„Allgemein gesagt, ist die Raps- und Getreideernte wegen der Vorsommertrockenheit noch schlechter als im vergangenen Jahr“, fasst Behrens zusammen. Auch der erste Grasschnitt brachte wenig. „Mit dem zweiten, den wir gerade begonnen haben, sind wir ganz zufrieden.“

Martin Behrens freut sich, dass trotz Wassermangel im Frühling und verzögerter Ernte der Roggen noch ganz gut aussieht

28 Hektar Mais und 15 Hektar Rüben profitieren dagegen sicher von den Regengüssen. Behrens zeigt mit beiden Händen anschaulich, wie groß die Rüben schon sind und freut sich auf seine Rübenernte, die für Ende Oktober geplant ist. Allerdings, wendet er noch ein, die spät gelegten Rüben seien teilweise nicht gut aufgelaufen, hätten aber gut aufgeholt.

Er setzte in diesem Jahr allgemein auf wenig Düngergaben und Pflanzenschutzmittel wegen der hohen Preise. Der Mist der Kühe sei sowieso der beste Dünger. So ist Behrens auch mit dem Humusaufbau ganz zufrieden: „Es sind genug Regenwürmer da.“ Auch die Fruchtfolge mit Rübe, Mais, Raps, Braugerste, Roggen wäre in Ordnung.

Auf dem Roggenacker, der nun fast fertig abgeerntet ist, soll Mais folgen mit einer Zwischenbegrünung über den Winter. Zufrieden ob der gnädigen Erntesonne am hellblauen Himmel steigt Behrens wieder in seinen Traktor und nach ein paar Minuten fällt der nächste Rundballen aus der Case-Ballenpresse.

Der alte, gut gepflegte New-Holland-Drescher tut seinen Dienst nach wie vor

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