Vor lauter Lebensfreude ein Lämmersprung

Es ist Lammzeit in der Schäferei Simone und Torsten Kruse GbR in Uthmöden. 1100 Mutterschafe mit ihren jeweils zwei oder drei Lämmern laufen über die 60 Hektar Wiesen um Uthmöden oder auf den 180 Hektar Elbdeiche bei Havelberg. Die Elbdeichpflege ist seit 2009 die Haupterwerbsquelle für Kruses.

Schafe werden von Hunden geschützt

Wir sind für das Video des Bauernverbandes „Börde“ e. V. mit Schäfer Christian Kruse und seiner Lieblingsherde auf einer Wiese am Calvörder Pax: Mäh, mäh, mäh, in allen Tonlagen von 150 Mutterschafen und 283 Lämmern. Und dazwischen bellen die großen Herdenschutzhunde, weil sich zwei Kolkraben nähern und ein Moped über die Feldwege brettert. Gestern Nacht haben die beiden selbstgezogenen Kaukasischen Owtscharka wieder zwei Wölfe vertrieben; Wölfe, ein großes Problem für die Schafhalter, deren Arbeit der Pflege der Kulturlandschaft dient.
Christian Kruse ist für die Herden um Calvörde zuständig und sein Vater Torsten Kruse wacht bei den Herden am Deich. Besonders in der Lammzeit nehmen die Arbeitstage für die Männer kein Ende. Schäferei ist Leidenschaft, das merkt man dem jungen Mann bei jedem Satz über seine Arbeit und jedem Blick über seine Tiere an.

Die Lammzeit bedeutet viel Arbeit

Die insgesamt fünf Herden sind immer draußen bis auf die acht Tage im Jahr, an denen die Lämmchen geboren werden. Nach der Geburt stehen sie erst drei Tage mit ihren Lämmern einzeln in kleinen Boxen auf dickem Stroh. Das sei gut für das Zusammenwachsen der Kleinfamilien und um sie besser überwachen zu können, sagt Kruse. Anschließend kommen sie in 15er Gruppen zusammen, dann in 30er Gruppen. Klauenpflege und Wurmkur schließen sich an. Nach acht Tagen laufen alle Schafe, große und kleine, wieder auf der Weide. Dort müssen sie jeden Tag umgekoppelt werden, damit sie genügend Gras haben. Vier Wochen sind die meist schwarzen Lämmer nur auf die Muttermilch angewiesen, dann fangen sie an, Gras zu zupfen und dann steigen auch die täglichen Gewichtszunahmen. Suffolks sind Fleischschafe und so gehen Kruses Schafe an einen Schlachthof in Stuttgart.
Am 10. Oktober beginnt bei Kruses in Etappen die sechswöchige „Bockzeit“. Dann kommen jeweils acht Böcke in die Herden. Die Tragzeit bei Schafen beträgt fünf Monate.
Das Suffolk-Schaf nimmt sehr gut an Gewicht zu. Ausgewachsene Böcke können bis zu 200 Kilogramm erreichen. Schon mit einem Jahr können sie ein Gewicht von 100 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Schafe haben keine Hörner. Die Wolle ist weiß, das Gesicht, die Ohren und die Beine sind schwarz. Bei Kruses werden die Tiere zweimal im Jahr geschoren. Das machen die beiden Schäfer auch selbst.
Insgesamt 16 große selbstgezogene Herdenschutzhunde, alles Kaukasische Owtscharkas, passen auf die Schafe bei Kruses auf. Die Welpen werden im Schafstall geboren und so sind Hund und Schafe eine Familie. Zwei kleine Hündinnen streifen jetzt im Stall herum und lernen später auf der Weide ihren Job von den erfahrenen Verwandten.

Zahlen zur Schafhaltung in Sachsen-Anhalt

Es gibt in Sachsen-Anhalt noch knapp 300 Schäfereibetriebe mit etwa 46.000 Mutterschafen. Für den Landkreis Börde waren im Jahr 2016 noch 46 Schafhalter gemeldet mit 4.000 Mutterschafen. Die meisten dieser Schäfereibetriebe halten die Schafe jedoch in Hobbyhaltung. Von der Schafhaltung allein leben können im Landkreis Börde nur etwa ein Dutzend Schäfer.

Schafe sind wertvoll für die Kulturlandschaftpflege und den Hochwasserschutz

Schafe sind besonders für die Pflege von Biotopen in der Kulturlandschaft von großer Bedeutung. Als sogenannte „Pfennigsucher“ finden sie auch auf weniger ertragreichen Wiesen Futter, halten die Landschaft offen und sorgen auf den beweideten Flächen für eine große Artenvielfalt bei Gräsern, Kräutern und Insekten.
Bei der Deichpflege sind sie mit ihrem „goldenen Tritt“ wertvolle Helfer. Die Schafe sorgen durch das Kurzhalten der Grasnarbe und durch den Tritt mit ihren kleinen, festen Klauen für eine Verdichtung der Grasnarbe auf den Deichen. Für Mäuse oder Maulwürfe wird es so schwer Gänge in den Deich zu graben, die bei einer Flut zu Löchern im Deich oder einem Deichbruch führen können.

Text und Bildmaterial: Barbara Ilse