Ackerbau-Allgemein-Verbandsnachrichten

Feldtag in Üplingen: Blattanalysen im Getreide zeigen jetzt schon niedrige Rohproteingehalte und Schwefelmangel auf

Januar 2026: 39 mm, Februar: 42 mm, März: 22 mm, April: 44 mm, Mai: 73 mm – das sind bereits 220 mm Regen pro Quadratmeter in diesem Jahr (bis Ende Mai). Das freut alle Landwirte, in diesem Fall Jörg Hartmann und Horst Düll von der Stiftungsgut Üplingen GbR, die kürzlich zum 13. Feldtag der Üplinger Feldtaggruppe auf ihre Versuchsfelder eingeladen hatten. Der ergiebige Frühjahrsregen hat allen Ackerkulturen den Start geebnet und so stehen die Winterkulturen Raps, Weizen, Gerste gut da und auch die Sommerungen, wie Rüben, Kartoffeln und Mais, konnten sich gut etablieren. Sorgen bereiten den beiden Gesellschaftern, wie allen Bauern im Land, die hohen Kosten für zum Beispiel Dünger und Diesel sowie die unkalkulierbaren Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Dessen unbeachtet, kontinuierlich und über 13 Jahre betreibt die Stiftungsgut Üplingen GbR mit der Feldtaggruppe Üplingen auf 14 Hektar von den insgesamt 472 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche das breit angelegte Versuchswesen. Sein wichtigster Mitarbeiter hier ist der Pflanzenexperte und Versuchsleiter Matthias Klings. Zur Veranstaltung kamen rund 60 Landwirte und andere am Thema Interessierte.

Jörg Hartmann hieß sie willkommen und Matthias Klings berichtete anschließend über die aktuelle Lage auf den Feldern um das Stiftungsgut. Zum Niederschlagsgeschehen bekräftigte er: „Der April-Mai-Regen sichert die diesjährige Ernte. Es gibt bisher wenig Blattkrankheiten“, informierte er. Aber als Tipp gab er den Bauern mit, dieser Tage im Getreide auf Fusarium zu achten, um gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Den einführenden Vortrag mit dem Titel: Saatgetreide-Mehrwert schützen“ hielt Hartmann selbst, denn als Saatgutvermehrer in Üplingen und bei der Firma „SGL“ unter anderem zuständig für den Saatguthandel, kennt er sich gut aus. Er sprach über die verschiedenen Möglichkeiten Saaten zu schützen und mit Biostimulanzien und Mikronährstoffen zu vitalisieren. Für den Fachmann steht an erster Stelle die chemische Saatgutbehandlung, das Beizen, wenn es um gute Startbedingungen geht. „Hier wird allerdings die Wirkstoffzulassung immer schwerer“, so Hartmann. Als Beispiel nannte er das drohende Verbot des Beizmittels gegen Pilze „Fludioxonil“, welches auf der Abschussliste der EU stünde. Pflanzenschutzhersteller, Züchter, Behörden und die Landwirte seien gefragt, um gemeinsam gute Lösungen zu finden. Alternativen wie die physikalische, thermische, oder biologische Saatgutbehandlung oder auch das Plasmaverfahren würden bereits vielerorts getestet. „SGL“ hätte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Herstellern, wie zum Beispiel „Progress Agrar“ (biologische Saatgut-, Boden- und Blattbehandlung) Marktreife mit alternativen Saatgutbehandlungen erreicht. Die Firma hat also bereits ein praxiserprobtes Mittel, das Produkt „sgl-saatgut4.0“ im Vertrieb.  „Es gibt Lösungen. Wir müssen an das Thema Saatgutschutz jetzt anders herangehen“, sagt Hartmann abschließend. Firmenvertreter von „team“, „lebosol“, „progress agrar“ und „SGL“ informierten nacheinander kurz über den Stand der Versuchsreihen.

Auf dem Feldrundgang konnten sich die kundigen Besucher ein eigenes Bild in den Kulturen machen, Informationen sammeln und fachsimpeln. Das regenerative Feld (REG_Feld Üplingen) der „SGL“ ist im siebenten Jahr mit der Sechsfelderwirtschaft bereits ein landwirtschaftlicher Schatz geworden. Hier informierte Marc Deilmann über den Stand der Forschung. In diesem Jahr wächst hier erstmals nach Wintergerste Raps der Sorte „Crombach“ mit Untersaaten und Gaben von Silizium, Bor und Kalzium – Rapserdflöhe und Rüssler gibt es bisher keine. Die Bodenanalyse sei die Grundlage aller Arbeiten. Ökonomisch bewirtschaftet ist das Ziel, den Boden aufzubauen, über schonende Mulchsaat, Zwischenfrüchte und Untersaaten, Flächenkompostierung sowie vitalisierende Behandlungen, so Deilmann.

Bei „progress“ informierte Carsten Schmidt über das Firmen-Portfolio an Boden-, Blatt- und Saatgutbehandlungen, Pflanzenhilfsstoffen und mikrobiologische Vitalisierungsmischungen. In den Versuchen im Winterweizen der Sorte „SU Jonte“ ging es ausschließlich um die Blattbehandlung mit den Progress-Agrar-Produkten. Auf den behandelten Parzellen weist der Winterweizen nun im Vergleich mit dem betriebsüblichen Anbau eine erhöhte Ährenzahl pro Quadratmeter auf und die Pflanzen haben deutlich mehr Wurzeln. Die variationsreichen Produkte seiner Firma wirken in einem Anbausystem und die immer bessere Verknüpfung der stimulierenden natürlichen Wirkstoffe wird in den Versuchen immer neu an Standort, Wetterbedingungen und so weiter angepasst.

Für den Produktmanager der Firma „team“, Michael Neugebauer, ist es fast eine philosophische Frage, ob man an diesem Gunststandort Massenweizen oder weiter Qualitätsweizen produzieren will. Für Letzteres müsse man den Pflanzen zur rechten Zeit Mikronährstoffe zuführen, damit sie unter anderem den Stickstoff gut aufnehmen und zu Aminosäuren umwandeln können. Wenn dann durchgängig E-Weizen produziert werden würde, müsse auch die Verarbeitungsschiene passend organisiert werden, so Neugebauer; „Gespräche mit den Mühlen wären dann wichtig.“

Michael Derwel und Lutz Wolter von der Firma „lebosol“ sprachen über Bormangel und seine Folgen für Raps, bei dem sich bereits früh Risse im Stängel bilden würden. Bei Blattanalysen zeige sich häufig auch Kupfermangel. Kornanalysen wiesen in letzter Zeit verstärkt auf Probleme mit fehlendem Zink, besonders im Mais hin. Bei Bormangel fehlen am Maiskolben am oberen Ende die Körner. Der Parzellenversuch in Üplingen hatte aber ein ganz anderes Element im Fokus: Es ging um die Wirkung von Silizium auf den Ertrag und die Qualität von Raps. Ganz erstaunliche Ergebnisse gab es hier insbesondere auf die Verstärkung der Zellwände, die dadurch den Eindringungswiderstand für Rüssler und Läuse erhöhe, so Derwel. Wolter erzählte auch von Silizium-Versuchen im Obstbau, die die Zellstreckung der Kirsche günstig beeinflusse. Auch im Zuckerrübenanbau liefen bereits Versuche mit Silizium, informierte Wolter. Hier seien erste positive Effekte gegen den Befall mit Schilfglasflügelzikaden zu verzeichnen.

Zum Abschluss des Rundgangs zeigte Matthias Klings das Gemeinschaftsfeld mit Gerste und zwei Sorten Weizen, auf dem alle vier Firmen nebeneinander unterschiedliche Behandlungen des Getreides anwenden.

Beim gemeinsamen Mittagessen begannen die Diskussionen um das Gesehene und Gehörte. Es gab Fragen an die Fachleute und in kleinen und größeren Gruppen besprach man die Versuchsergebnisse, die Wirkstoffe, Bezugsquellen, Preise und auch die Wetteraussichten.

Das Nacherntegespräch, auf welchem die Ergebnisse und Auswertungen erörtert werden, ist auf den 17. November 2026 datiert.

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