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Letzter Fingerzeig für die Prüfungen

Vorbereitender Praxistag dreier Kreisbauernverbände

Ausbilder Sandro Richter mit den Azubis am Mähdrescher

„Wenn im gehäckselten Futter die Pflanzenfasern über 40 Millimeter lang sind, kann die Kuh das nicht mehr aufnehmen. Wie sollte das also bei Maissilage idealerweise aussehen?“, fragt Paul Blauert, Futterexperte und Ausbilder in Iden, die angehenden Landwirte, die um den Tisch mit den Futterproben stehen. „Bei Maissilage werden 10 bis 20 Millimeter Pflanzenfaserlänge empfohlen“, stellt Azubi Paul Früchel klar. Seine Azubi-Kollegen ergänzen mit Feuchteangaben, Aussehen, Geruch und so weiter. Blauert freut sich über die guten Kenntnisse in der Gruppe.
Paul Früchel ist 19 Jahre alt, von Kindesbeinen an auf Äckern und Treckern unterwegs, ist bald mit seiner Ausbildung zum Landwirt fertig und der Arbeitsvertrag bei der Agrargenossenschaft Dreileben eG liegt dann zur Unterschrift bereit. Sein Chef Michael Winkler ist stolz auf den fleißigen jungen Mitarbeiter, fördert ihn entsprechend und hat ihn kürzlich einen Tag für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen freigestellt.

33 angehende Bauern nahmen am freiwilligen Praxistag der Kreisbauernverbände Börde, Harz und Salzland teil, der vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) unterstützt wird. Die Agrargenossenschaft Baalberge eG hat für diesen Tag Teile des Betriebsgeländes und Maschinen zur Verfügung gestellt. Hier und in der Milchviehanlage des Tochterbetriebes „Agrar Poley GmbH“ bekamen die jungen Damen und Herren den letzten Schliff vor den Abschlussprüfungen nach dem dritten Lehrjahr. Die zukünftigen Landwirte, Tierwirte und Fachkräfte Agrarservice wurden von versierten Spezialisten zu den Themen Tierproduktion, Pflanzenbau und Technik unterwiesen, konnten Erlerntes festigen und Fragen zur Prüfung stellen.

Uwe Burkhardt erklärt den Tierbeurteilungsbogen

In Gruppen aufgeteilt ging es durch die Stationen: Uwe Burkhardt von der Rinderallianz arbeitete sich im Stall der Agrar Poley GmbH an zwei Holsteiner Milchkühen mit den Azubis durch den Tierbeurteilungsbogen. Die beiden jungen Milchkühe mit den Nummern 457 und 465 sind dazu fixiert worden; ansonsten stehen die insgesamt 400 Milchkühe in offener Stallhaltung auf Stroh oder Kalk und können sich frei bewegen. Bei der Beurteilung von „Eutertextur“, „Beckenbreite“, „Exterieur“ usw. wiesen die angehenden Tierwirte gute Kenntnisse auf, aber auch der angehende Landwirt Paul Früchel, der alle drei Azubi-Winter im Milchviehbetrieb Vruggink gearbeitet hat um Wissen über Tierhaltung zu erlangen, kannte sich mit dem Tierbeurteilungsbogen und den Stallkarten ganz gut aus.

Oliver Sommerfeld und Maurice Hellwig helfen bei der Festlegung der Ährenentwicklungsstadien

Maurice Hellwig, Produktionsleiter in der Agrargenossenschaft Biere, und Oliver Sommerfeld, Pflanzenfachmann beim Bauernverband, hatten ihren Stand zum Thema Pflanzenbau wegen des Regens vom Feld in eine Halle verlegt und gingen hier unter anderem Bodenarten, Getreidearten und Wildkräuter mit den Azubis durch. Ertragsschätzung, Düngebilanz, Ackerschlagkartei waren nur einige der zu definierenden Fachbegriffe hier am Stand. In der folgenden Pause nutzen einige Azubis zudem die Gelegenheit mit den Spezialisten anhand der Pflanzen noch einmal ein paar der 99 Ähren-Entwicklungsstadien von der Keimung bis zur Ernte durchzugehen. Sommerfeld erinnerte die Azubis daran, bei der Prüfung nicht nur Fachwörter herauszuhauen, sondern viel zu erzählen, Begriffe herzuleiten und sich nötigenfalls Eselsbrücken zu bauen.

Steffen Schmidt fachsimpelt mit den Azubis an der Spritze

Anschließend ging es für die Gruppe zu zwei Technikstationen. Am Mähdrescher versuchte Ausbilder Sandro Richter die Azubis dazu zu bewegen, komplexe Fragen wie nach dem „Gutfluss“ im Drescher ausführlich zu beantworten. Auch Wetter, Reife, Temperaturen könne man einfließen lassen. Die Feuchtemessung wurde durchgenommen, genauso wie der Schneidwerkanbau. Richter erinnerte: „Bei den Verlustquellen bei der Getreiderente dürft ihr zu den Vorernteverlusten nicht die Maschinen-, Überlade-, Transport- und Lagerverluste vergessen.“

Ausbilder Steffen Schmidt übernahm dann die Erklärungen zur Spritze. Nachdem die Bauteile des Gerätes, der „Weg der Brühe durch das Gerät“, die Tabellen zur Berechnung, Düsenwinkel, Schutzmaßnahmen und vieles andere durchgenommen waren, fasste Schmidt die gute Mitarbeit und das Wissen der Gruppe mit den Worten zusammen: „Das ist ein schönes Arbeiten mit Euch. Viel Glück bei den Prüfungen!“

Ausbilder Paul Blauert, LLG, testet mit den Azubis Futtermittel

Das wünschten allen zum Abschluss der Veranstaltung denn auch die drei Geschäftsführer der Bauernverbände, Diana Borchert (Nordharz), Katharina Elwert (Salzland) und Marius Thordsen Denecke (Börde), die jedem der Jugendlichen noch ein kleines Präsent überreichten. Tim Wahlers, Ausbildungsberater beim ALFF schloss sich den Glückwünschen an.

Fast Landwirt, noch Azubi Paul Früchel

Paul Früchels Prüfungen beginnen am 11.Juni mit Pflanzenbau. Ende Juni sind alle Prüfungen vorbei. Sein Ausbildungsverhältnis endet am 2. Juli und dann beginnt nicht etwa der Urlaub für den jungen Landwirt, nein! Er freut sich schon auf die Ernte.

Sven Schäfer, Geschäftsführer der Agrar Poley GmbH

Es ist sehr lobenswert, dass der Landwirtschaftsbetrieb, der selbst auch ausbildet, sein Gelände für den Praxistag zur Verfügung stellt. Sven Schäfer ist im Vorstand der Agrargenossenschaft Baalberge eG und Geschäftsführer der Agrar Poley GmbH, einer der Tochterfirmen der AG. Schäfer stellt den Unternehmensverbund kurz vor: Insgesamt werden hier 2200 Hektar bewirtschaftet, 370 davon ökologisch. 400 Milchkühe stehen im konventionell bewirtschafteten Stall. Die 50 Mitarbeiter arbeiten außer auf dem Acker und im Stall auch im Nahkaufmarkt, im Landhandel und in der Kantine. Es gibt eine eigene Biogasanlage, Windräder und Photovoltaik auf den Dächern. Angebaut werden Raps, Zuckerrüben, Weizen, Kartoffeln, Dinkel, Durum, Zwiebeln, Sonnenblumen (zum Teil ökologisch angebaut), Silomais für die Kühe, Ökoluzerne und auf 50 Hektar Hopfen. Saisonarbeitskräfte unterstützen den Betrieb. Schäfer hätte gern auskömmlichere Milchpreise und wünscht sich von der Politik vor allem Planungssicherheit.

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